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Red Bull Ring, Ende Mai. Die Strecke liegt in der steirischen Landschaft wie ein Stück Asphalt, das jemand mit Absicht in die Hügel gelegt hat: kurze Runde, harte Bremszonen, zehn Kurven, viel Himmel. Vom alten Österreichring ist hier noch der Mythos geblieben, vom modernen Spielberg die Präzision: 4,326 Kilometer, 65 Meter Höhenunterschied, bis zu zwölf Prozent Steigung.
In der Boxengasse ist es zunächst nicht laut, eher konzentriert. Reifenwärmer liegen auf dem Boden, Laptops leuchten, Mechaniker schieben Wagenheber unter die Autos.
Dann springt der erste Sechszylinder an. Kein Show-Grollen, eher ein harter, heller, herrschsüchtiger Ton. Ein Porsche 911 GT3 Cup, gebaut für genau diesen Moment: raus aus der Box, bergauf, hart bremsen, zurück auf Start-Ziel.
Beim Saisonauftakt der Porsche Sprint Challenge Central Europe 2026 (PSCCE) stehen 22 Cup-Porsche und 35 Fahrer bereit. Es ist das größte Feld in der Geschichte der Serie. Für Lechner Racing ist Spielberg keine beliebige Station. Thalgau bei Salzburg ist die Unternehmensbasis, der Red Bull Ring die große österreichische Bühne.
Das System Lechner
Der Porsche 911 GT3 Cup ist kein Straßenauto mit Startnummer, sondern ein reines Rennfahrzeug: 4,0-Liter-Sechszylinder-Boxer, 510 PS in der Generation 992.1, sequenzielles Sechsgang-Klauengetriebe, Hinterradantrieb, rund 1.260 Kilogramm. Doch Zahlen erklären diesen Sport nur bis zur Boxenausfahrt.
Lechner Racing hat um dieses Auto ein System gebaut: Rennteam, Technik, Logistik, Hospitality und Serienorganisation. Das Selbstbild: eine „family owned 360° racing company“. Im Fahrerlager wirkt das wie eine Arbeitsbeschreibung. Ein Cup-Porsche reist mit Mechanikern, Ingenieuren, Reifen, Ersatzteilen, Werkzeug, Daten, Zelten, Gästen und Zeitplänen an.
Seit 2016 bündelt das Unternehmen Rennteam, Agentur, Logistik und Organisation auf 3.500 Quadratmetern. „Es war immer unser Ziel, Geschäfts- und Motorsportaktivitäten unter einem Dach zu vereinen“, erklären die Brüder. Durch Europa bewegt sich eine reisende Rennfabrik: internationale Transporte, 11 Sattelzüge, 44 Rennfahrzeuge aller beteiligten Teams.
Robert und Walter Lechner sind in dieser Welt groß geworden. „Wir waren schon als Kinder mit dabei“, erinnert sich Robert Lechner. Ferien bedeuteten nicht Strand, sondern Wohnwagen und Fahrerlager. Ihr Vater Walter Lechner Senior war Rennfahrer, Unternehmer, Gründer einer Racing School. Sein Satz steht wie ein Motto über allem: „racing is my passion and also my destiny.“
Heute führen die Brüder das Unternehmen in zweiter Generation. „Es hat sich früh herauskristallisiert, dass jeder von uns beiden andere Interessen hat“, sagt Robert Lechner. Robert steht stärker für sportliche Leitung, Marketing und Kundenerlebnis. Walter ist technischer Leiter. Er organisiert, dass Menschen, Fahrzeuge und Teile zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind.
Lechner verkauft nicht einfach Autos, sondern bietet Zugang zu organisiertem Motorsport. Dazu gehört auch der Verkauf gebrauchter GT3-Cup-Fahrzeuge, die nach ihrem Einsatz in den Rennserien professionell aufbereitet und in bestmöglichem Zustand an Fahrer oder Teams übergeben werden. Das Unternehmen setzt Cup-Fahrzeuge ein, organisiert Serien, betreut Privatfahrer, fördert junge Talente und baut um Rennwochenenden eine Erlebniswelt für Partner, Gäste und Familien. Der Kunde bringt Leidenschaft und Lernbereitschaft. Lechner liefert Technik, Coaching, Logistik, Hospitality und den sportlichen Rahmen.
Gleiche Autos, wenig Ausreden
Dieser sportliche Rahmen heißt Markenpokal. Das Prinzip: gleiche Autos, klare Regeln, wenig Ausreden. In der Porsche Sprint Challenge Central Europe fahren nur identische Porsche 911 GT3 Cup; keine geheime Motorenabteilung und keine freie Tuning-Fantasie verschieben die Kräfte. Der Unterschied entsteht im Setup, im Reifendruck, im Bremsgefühl, in der Linie, in der Datenkurve, im Timing der Crew. Bei Lechner heißt es über den Supercup: “Alle haben das gleiche Auto, den entscheidenden Unterschied macht eine erfolgreiche Kombination aus Fahrer und Team.”
Die PSCCE-Serie zeigt, wie dieses Prinzip in Formate übersetzt wird: viel Fahrzeit, zwei Sprintrennen, ein einstündiges Endurance-Rennen, Starts allein oder als Fahrerduo, Klassen von Rookie bis Masters.
Zwischen zwei Sessions wird ein Cup-Auto nicht abgestellt, sondern gelesen: Reifenbild, Bremsen, Temperaturen, Drücke, Spuren an der Karosserie, Flüssigkeiten, Drehmomente. Auf den Bildschirmen liegen Bremsdruck, Geschwindigkeit, Gaspedalstellung, Sektoren. Der Fahrer sagt, das Auto schiebe beim Einlenken. Die Daten zeigen, wo Zeit verloren geht. Erst aus allem zusammen entsteht die nächste Entscheidung. So führen die Sessions direkt in eine Werkstattwelt. Das richtige Teil muss da sein, das Werkzeug auch. Ein fehlender Bremssatz, ein falscher Reifendruck, ein übersehener Kontakt: Aus Kleinigkeiten wird sofort Zeitverlust.
Vom Trackday in den Rennsport
Die Brücke vom Trackday in den Rennsport zeigt sich bei vielen Teilnehmern der PSCCE. Fahrer kommen nicht zwingend aus dem klassischen Nachwuchskader, sondern oft aus einer Szene, in der zunächst Fahrzeit, Coaching und technisches Verständnis im Mittelpunkt stehen, bis irgendwann der Schritt in ein echtes Rennwochenende folgt. Lechner ist in diesem Moment nicht einfach Veranstalter, sondern Rahmengeber: mit Regeln, Kalender, Klassen, Boxengasse und professioneller Betreuung.
Beim Auftakt am Red Bull Ring wurde sichtbar, was dieser Übergang organisatorisch und sportlich bedeutet. Mehrere Teams waren mit mehreren Fahrzeugen am Start, entsprechend hoch waren die Anforderungen an Logistik, Vorbereitung und Betreuung. Für viele Fahrer ist der Schritt aus der Trackday-Welt zugleich ein neuer Zugang zum professionellen Rennsport: begleitet, emotional, mit wachsender Leidenschaft. Genau hier liegt Lechners Rolle: Trackday-Fahrer werden nicht nur schneller gemacht, sie lernen, sich in einer Rennserie zu bewegen.
Zu all dem kommt die zweite Ebene: Gäste, Partner, Familie, Hospitality. „Bring your family and friends“ lautet ein Lechner-Motto. Fahrer kommen nicht allein. In der Hospitality wird Kaffee getrunken, während draußen die Schlagschrauber laufen. Man hört Gespräche über Bremspunkte, Reifensätze und Abendessen. Der Sport bleibt ernst, aber er wird zugänglich.
Vom Nachwuchs bis zum Gentleman-Driver
Für manche beginnt es mit einem Besuch: am Zaun, in der Box, neben dem Auto. Irgendwann stellt sich die Frage, ob man selbst fahren könnte. Nicht als Verwirklichung eines Formel-1-Traums, sondern als Versuch, eine Linie zu finden, einen Reifen zu verstehen, einen Bremspunkt sauber zu treffen. Der Porsche-Cup schmeichelt nicht. Genau das macht seinen Reiz aus.
Lechner kennt beide Seiten dieser Welt: den Nachwuchs, der Profi werden will, und den Gentleman Driver, der ein echtes Rennwochenende sucht. Thomas Preining gewann 2018 mit Lechner Racing den Porsche Carrera Cup Deutschland, später wurde er DTM-Champion. „Vor zehn Jahren wäre meine Karriere fast vorbei gewesen“, sagt Preining. „Nur dank Lechner“ sei er bei Porsche gelandet. Auch F1-Teamchef Toto Wolff gehört zu dieser Geschichte: Beim Walter Lechner Senior habe er sich seine „ersten Sporen verdient“. Lechner Racing funktioniert nicht nur als Dienstleister, sondern als Knotenpunkt einer Motorsportbiografie.
Am Red Bull Ring bekommen diese Geschichten ihren Resonanzraum. Spielberg ist groß genug für Formel 1 und MotoGP, aber offen genug, dass Motorsport nicht hinter Mauern verschwindet. Die Strecke steigt und fällt, als wollte sie jedes Auto prüfen. Oben wird gebremst, unten wird beschleunigt, dazwischen entscheidet Vertrauen ins Team, ins Material. Dabei ist der Rennwagen auf der Strecke nur der sichtbare Teil. Dahinter verbergen sich Mikrometer, Drehmomente, Sensorwerte, Bremsbeläge, Ersatzteilkisten, Zeitpläne und Menschen, die wissen, was zu tun ist. Wenn der Sechszylinder wieder seinen Brunftschrei anstimmt, klingt das nicht nur nach Geschwindigkeit. Es klingt nach einem System, das funktioniert.
Wer darf fahren?
Für echte Rennen gilt etwas anderes als für Kundenevents oder Fahrerlebnisse. In der Porsche Sprint Challenge Central Europe 2026 müssen Fahrer laut Serienreglement eine gültige nationale oder internationale Fahrerlizenz besitzen, die von einer nationalen, von der FIA anerkannten Motorsportbehörde (ASN) ausgestellt wurde. Zugelassen sind u. a. internationale Lizenzen Grade A, B oder C-Circuit sowie die AMF National D+ oder eine gleichwertige nationale Lizenz eines FIA-angeschlossenen Verbandes. Wer nicht mit österreichischer AMF-Lizenz, also der offiziellen Motorsportlizenz der Austrian Motorsport Federation (AMF), startet, benötigt für den Auslandsstart zusätzlich die schriftliche Genehmigung seiner eigenen nationalen Motorsportbehörde. Teams beziehungsweise Bewerber benötigen eine internationale Bewerberlizenz.
Für Deutschland verweist der Deutsche Motor Sport Bund (DMSB) darauf, dass die jeweils erforderliche Lizenzstufe in der Veranstaltungs- oder Serienausschreibung steht. Eine Race Card kann für einzelne Veranstaltungen gelöst werden, ersetzt aber nicht automatisch die Anforderungen einer Rennserie. Für Österreich stellt die AMF die entsprechenden Motorsportlizenzen aus; die Lizenzklassen richten sich nach Disziplin und Leistungsgewicht. Bei Kundenevents ist die Schwelle niedriger, aber ebenfalls nicht beliebig: Für die Porsche 911 GT3 Cup Experience am Red Bull Ring verlangt der Veranstalter etwa die vorige erfolgreiche Teilnahme an einer Porsche 718 Cayman GT4 RS CS Leichtbau Experience. Ausnahmen sind möglich, wenn eine Rennlizenz oder andere hochrangige Fahrerfahrung nachgewiesen wird.
Renntermine 2026
Porsche Sprint Challenge Central Europe 2026
8.–11. Oktober: Hungaroring, Ungarn
Weitere Anknüpfung am Red Bull Ring
Der Red Bull Ring führt einen laufend aktualisierten Eventkalender. Als niedrigere Schwelle neben Serienstarts gilt die Porsche 911 GT3 Cup Experience: ein Einzelfahrer-Trackday auf dem F1/MotoGP-Kurs mit Instruktor, Onboard-Video und Analyse, nach individueller Terminverfügbarkeit.
Alle Bilder: Lechner Racing