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Reifenrecycling: Neues Modell aus Schweden und Norwegen

30.07.2026

Swedish Tyre Recycling entwickelt seine Rolle innerhalb der nordischen Wertschöpfungskette für Altreifen weiter – vom Sammeln der Reifen bis hin zur Lieferung von Sekundärrohstoffen. Gemeinsam mit Norwegian Tyre Recycling hat die Organisation eine neue Kooperation gestartet, um in der nordischen Region ein stärker industrialisiertes Modell für das Reifenrecycling aufzubauen.

Lesedauer: 10 Minuten

Fredrik Ardefors
Fredrik Ardefors, CEO Swedish Tyre Recycling

Im Gespräch mit der Gateway to Automotive-Korrespondentin Valentina Ahlavuo erläutert CEO Fredrik Ardefors, warum sich die Organisation von einem traditionellen Modell löst, das sich vor allem auf Herstellerverantwortung und die Vergabe der Aufbereitung an externe Dienstleister stützt. Das zukünftige Modell, so Ardefors, basiert auf Materialeigentum, ausreichenden Mengen (Critical Mass), der Sortierung vor der Verarbeitung, kundenspezifischen Materialfraktionen sowie einer stärker marktorientierten Betrachtung der aus Altreifen gewonnenen Rohstoffe Gummi, Stahl und Textil.

Zahlen & Fakten

Im Jahr 2025 sammelte Swedish Tyre Recycling 94.060 Tonnen Altreifen ein, gegenüber 86.927 Tonnen im Jahr 2024. Insgesamt wurden 13.996 Abholungen durchgeführt. Zum Jahresende waren 5.860 Sammelstellen an das System angeschlossen.

Das Volumen der im Jahr 2025 recycelten und ausgelieferten Altreifen belief sich auf 103.990 Tonnen, verglichen mit 75.541 Tonnen im Vorjahr. Der Anteil des werkstofflichen Recyclings erreichte 75 Prozent. Nach Angaben von Swedish Tyre Recycling stieg die werkstoffliche Verwertung in Schweden damit von etwas mehr als 30 Prozent im Jahr 2022 auf rund 75 Prozent.

Zeit für ein Umdenken

Ardefors beschreibt Reifenrecycling als eine Branche mit langer Geschichte, jedoch nicht unbedingt mit einer langen Innovationskultur. Genau hier setzt der aktuelle Entwicklungsprozess von Swedish Tyre Recycling an. Die Organisation stellt die Herstellerverantwortung als Fundament des Systems nicht infrage. Entscheidend sei vielmehr die Frage, welchen Mehrwert das System nach der Sammlung der Altreifen tatsächlich schafft.

Für Ardefors geht es darum, ob Altreifen weiterhin in erster Linie als Kostenfaktor betrachtet werden oder ob sie sich zu einem wertvollen Rohstoffstrom entwickeln lassen. Die Antwort darauf erfordert sowohl operative Veränderungen als auch ein neues Denken.

Recycling als wirtschaftlicher Erfolgsfaktor

Punk mit rotem Irokesenschnitt vor Graffitiwand

Der Geschäftsbericht 2025 von Swedish Tyre Recycling steht unter dem Leitmotiv „Attitudes“ (Einstellungen) und trägt die Überschrift: „No fear. No limits. No excuses.“ („Keine Angst. Keine Grenzen. Keine Ausreden.“) Daneben ist ein Punk abgebildet, der die Leser begrüßt. Die Haltung, so Ardefors sei weniger als Werbeslogan gedacht, denn als Aufgabe an die Führungsverantwortlichen: Es gehe darum, den Mut zu haben, ein etabliertes Geschäftsmodell infrage zu stellen und ein neues aufzubauen. „Wir hatten genug von Ausreden und beschlossen zu handeln. Diese Haltung betrifft nicht nur die Kommunikation, sondern vor allem die Definition der eigenen Rolle innerhalb der Wertschöpfungskette“, so Ardefors. 

Werden Reifen in erster Linie als Abfall betrachtet, richtet sich das gesamte System auf Sammlung und Kostenkontrolle aus. Werden sie dagegen als Sekundärrohstoff verstanden, müssen auch Qualität, Dokumentation, Verarbeitung und Kundenanforderungen im Mittelpunkt stehen.

Warum das traditionelle Modell nur begrenzt Anreize schafft

Die Herstellerverantwortung hat die stabile Sammlung von Altreifen ermöglicht. In Schweden erreichen jedes Jahr fast sieben Millionen Reifen das Ende ihrer Nutzungsdauer. Daraus entstehen mehr als 90.000 Tonnen gesammeltes Reifenmaterial. Das System stellt sicher, dass alle in Verkehr gebrachten Reifen nach ihrer Nutzung gesammelt und ordnungsgemäß behandelt werden. Ardefors richtet seine Kritik jedoch auf den nächsten Schritt: Was geschieht, wenn das System im Wesentlichen als finanzierte Verpflichtung zur Sammlung verstanden wird? 

„Bislang haben alle die Reifensammlung und die Verarbeitung als subventionierte Tätigkeiten betrachtet. Man erhält die Finanzierung aus dem EPR-System, aber es schafft keine wirklichen Anreize.“

Fredrik Ardefors

Im traditionellen Modell werden Sammlung und Verarbeitung häufig für begrenzte Zeiträume an externe Unternehmen vergeben. Nach Ansicht von Ardefors gewährleistet dies zwar den laufenden Betrieb, führt jedoch zugleich zu einer sehr engen betriebswirtschaftlichen Logik. Innovationen würden dadurch nahezu unmöglich.

Reifenrecycling als Geschäftsmodell etablieren

Recyceltes Gummigranulat aus gebrauchten Fahrzeugreifen

Der Wendepunkt für Swedish Tyre Recycling war die Frage, ob sich das Reifenrecycling stärker wie ein Rohstoffgeschäft organisieren ließe. „Ich habe mich gefragt: Warum betrachten wir das nicht wie ein ganz normales Geschäft?“, sagt Ardefors. In der Praxis bedeutet dies, weit mehr aufzubauen als ein reines Sammelsystem. Das Modell von Swedish Tyre Recycling orientiert sich zunehmend an den Funktionen eines industriellen Rohstofflieferanten: Marketing, Vertrieb, Produktion, Logistik, Forschung und Entwicklung, Qualitätsmanagement, IT, Personalwesen, Finanzen und Kundenservice. 

„Wenn man ein Unternehmen aufbauen will, kann man sich nicht auf Subventionen verlassen“, sagt Ardefors. „Man muss sich am Markt behaupten.“ Damit wird die Herstellerverantwortung nicht abgeschafft. Vielmehr verändert sich ihre Funktion. 

Ziel ist es nicht nur, Altreifen effizient einzusammeln, sondern den Wert des Materials nach der Sammlung kontinuierlich zu steigern.

Langfristig verfolgt Swedish Tyre Recycling das Ziel, einen so hohen und dauerhaft tragfähigen Rohstoffwert zu schaffen, dass die Recyclinggebühren für Unternehmen, die Reifen in Verkehr bringen, perspektivisch gesenkt oder sogar ganz entfallen könnten. Dies ist zwar eine strategische Vision, verdeutlicht jedoch die angestrebte Entwicklung: weg von der bloßen Kostendeckung, hin zur Wertschöpfung durch hochwertige Sekundärrohstoffe.

Entdecken Sie die Best Practices aus dem Norden 

Für Ardefors sind zwei Voraussetzungen entscheidend: ausreichende Mengen und die Kontrolle über das Material. „Wir haben Berechnungen angestellt und erkannt, dass man ein bestimmtes Grundvolumen braucht. Man benötigt eine kritische Masse, um eine Organisation wie diese aufzubauen“, sagt er. „Allein das Volumen Schwedens reicht dafür nicht aus.“ Zwar fallen in Schweden jedes Jahr erhebliche Mengen an Altreifen an, doch für den nächsten Entwicklungsschritt sei eine größere Materialbasis erforderlich. Deshalb gewann die Zusammenarbeit mit Norwegian Tyre Recycling an Bedeutung. Gemeinsam erzeugen Schweden und Norwegen jährlich rund 150.000 Tonnen Altreifen.

Bon Orbit ist eines der zentralen Instrumente des neuen Geschäftsmodells, das Swedish Tyre Recycling gemeinsam mit Norwegian Tyre Recycling entwickelt hat. Das Unternehmen ist ein Joint Venture beider Organisationen. Ursprünglich befand sich Bon Orbit vollständig im Besitz von Swedish Tyre Recycling. Mit dem Aufbau der neuen schwedisch-norwegischen Kooperationsstruktur wurde Norwegian Tyre Recycling Mitgesellschafter. Die Zusammenarbeit ist insofern einzigartig, als sie zwei nationale Systeme der erweiterten Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility, EPR) mit einer gemeinsamen operativen und kommerziellen Plattform verbindet.

Die Herstellerverantwortung bleibt national organisiert: Swedish Tyre Recycling trägt weiterhin die Verantwortung für Schweden, Norwegian Tyre Recycling für Norwegen. Bon Orbit übernimmt dagegen die operative und wirtschaftliche Koordination – von den Materialströmen über die industrielle Verarbeitung und die Herstellung kundenspezifischer Materialfraktionen bis hin zur Marktentwicklung. Zusammen erzeugen Schweden und Norwegen jährlich rund 150.000 Tonnen Altreifen. Bon Orbit schafft dafür eine gemeinsame industrielle Plattform, während die nationalen Systeme der Herstellerverantwortung getrennt bestehen bleiben. 

Nach Angaben von Swedish Tyre Recycling errichtet Bon Orbit in Westschweden die größte überdachte Produktionsanlage Europas für recycelte Reifenmaterialien. Die Anlage entsteht auf dem Gelände des ehemaligen Saab-Werks in Trollhättan und soll im Herbst 2026 in Betrieb gehen. Branchenangaben zufolge wird sie jährlich bis zu 100.000 Tonnen Altreifen – entsprechend rund sechs Millionen Reifen – verarbeiten können. Die Verarbeitungskapazität liegt bei etwa 1.000 Kubikmetern Material pro Tag. Der Standort umfasst rund 40.000 Quadratmeter Hallenfläche sowie 15.000 Quadratmeter Außenfläche. Darüber hinaus sollen 20 bis 30 neue Arbeitsplätze entstehen.

Für Ardefors liegt die Bedeutung von Bon Orbit jedoch nicht allein in der höheren Verarbeitungskapazität. Entscheidend sei vielmehr, welchen Mehrwert das Reifenrecycling schaffen könne, wenn das Material bereits vor der eigentlichen Verarbeitung sortiert und spezifiziert werde. 

Infografik zu Verwertungsstufen im Reifenrecycling
Ziel ist es, höherwertige Materialfraktionen zu gewinnen, die ökologisch sinnvoller sind und höhere Erträge erzielen.

Unterschiedliche Reifenkategorien enthalten verschiedene Gummimischungen und verhalten sich in nachgelagerten Anwendungen unterschiedlich. Werden Reifen jedoch zerkleinert, bevor sie identifiziert und sortiert werden, gehen viele dieser Informationen unwiederbringlich verloren.

„Man muss die Reifen sortieren, bevor man sie zerschneidet. Andernfalls lassen sie sich später nicht mehr identifizieren“, erklärt Ardefors. Auf diesem Grundsatz basiert der von Bon Orbit entwickelte Ansatz „Single Malt“ und „Customer Blend“. Ein gemischter Haufen geschredderter Reifen besitzt nur einen begrenzten Wert. Dokumentiertes Altmaterial kann dagegen zu einem hochwertigen Sekundärrohstoff entwickelt werden.

Für Pyrolyseunternehmen kann beispielsweise das richtige Mischungsverhältnis von Pkw-Reifen, Lkw- und Busreifen sowie Reifen aus anderen Schwerlastanwendungen entscheidend für die Prozessstabilität und die Qualität des zurückgewonnenen Rußes (Recovered Carbon Black, rCB) sein.

Damit rückt das Reifenrecycling näher an die Rolle eines Rohstofflieferanten heran. Der Mehrwert besteht nicht allein in der Sammlung der Reifen, sondern im genauen Wissen darüber, um welches Material es sich handelt, wie es verarbeitet wurde und für welche Anwendungen es geeignet ist.

Ardefors nennt die Pyrolyse als anschauliches Beispiel dafür, warum die Spezifikation des Eingangsmaterials von großer Bedeutung ist. Pyrolyseunternehmen versuchen, aus Altreifen Ruß, Öl, Limonen (Bestandteil des gewonnenen Pyrolyseöls) und Stahl zurückzugewinnen. Ein Teil dieser Stoffe kann anschließend erneut in der Reifenproduktion oder bei der Runderneuerung eingesetzt werden. Der Prozess reagiert jedoch äußerst empfindlich auf die Qualität des eingesetzten Materials.

Nach Angaben von Ardefors können manche Pyrolyseanlagen nur dann zuverlässig arbeiten, wenn sie ein genau definiertes Verhältnis von Pkw-, Lkw-/Bus- und Großreifen erhalten. „War das Mischungsverhältnis bei der Pyrolyse falsch, entstand im zurückgewonnenen Ruß zu viel Schlamm oder Asche“, so Ardefors. 

Dadurch verlagert sich ein Teil der Prozessverantwortung an den Anfang der Wertschöpfungskette. Die Recyclingorganisation liefert nicht mehr lediglich geschreddertes Reifenmaterial, sondern definiert das Eingangsmaterial so, dass der Prozess des Kunden optimal funktioniert. Für Ardefors wird an diesem Beispiel deutlich, wie ein marktorientiertes Geschäftsmodell konkret aussehen kann.

Swedish Tyre Recycling hat hierfür das End-of-Life Tyre Research Portal (ELTRP) entwickelt, das Forschungsergebnisse und Projektinformationen rund um aus Altreifen gewonnene Sekundärrohstoffe bündelt. Darüber hinaus engagiert sich die Organisation in internationalen Initiativen zu Normung, digitalen Produktpässen sowie im fachlichen Austausch innerhalb von Branchenplattformen wie Tyres Europe.

Für Ardefors ist dieser internationale Kontext von großer Bedeutung, denn das Rohstoffmodell kann nur funktionieren, wenn Kunden, Behörden und Systeme der Herstellerverantwortung eine gemeinsame Sprache für Qualität, Sicherheit und Einsatzmöglichkeiten entwickeln.

Das Interview macht deutlich, dass Ardefors den Wandel nicht nur als technische oder wirtschaftliche Aufgabe versteht, sondern ebenso als organisatorische Herausforderung. Das neue Geschäftsmodell ist komplex, und das dafür erforderliche Wissen darf nicht auf einzelne Personen beschränkt bleiben. „Ich habe meine Mitarbeiter nahezu jeden Tag mit dieser Denkweise vertraut gemacht und sie immer wieder darüber sprechen lassen – denn ein solcher Wandel braucht Zeit“, sagt er.

Zugleich bindet er seine Kolleginnen und Kollegen gezielt in internationale Treffen und Branchendiskussionen ein. So können sie Netzwerke aufbauen und ein Verständnis für die übergeordneten Zusammenhänge entwickeln. 

„Wenn man eine Unternehmensorganisation aufbaut, muss man zugleich Menschen entwickeln und eine Unternehmenskultur mit der richtigen Haltung schaffen“, erklärt Ardefors.

Sollen aus Altreifen gewonnene Materialien als industrielle Rohstoffe vermarktet werden, benötigen die Kunden belastbare Informationen über Herkunft, Zusammensetzung, Qualität und Sicherheit. 

Ein wichtiger Baustein ist CERUB, ein internationales Rückverfolgbarkeitssystem für Materialien aus Altreifen. Es wurde gemeinsam von Reifenrecyclingorganisationen aus Schweden, Finnland, Norwegen und den Niederlanden initiiert und soll Transparenz und Dokumentation verbessern sowie die Anerkennung der Materialien als End-of-Waste-Produkte unterstützen.

„Es gibt einen Markt, aber nur dann, wenn die Qualität stimmt und man genau weiß, welche Reifen enthalten sind. Nicht die übliche Marktmischung, sondern eine gezielte Auswahl.“

Fredrik Ardefors
Recyceltes Material aus Altreifen für Kreislaufwirtschaft
Die Künstlerin Lisa Hartwig Ericson hat eine Glasskulptur aus Stahldrähten geschaffen, die aus recycelten Reifen gewonnen wurden.

Die wirtschaftlichen Unterschiede bei den Recycling-Produkten können erheblich sein. Ardefors nennt ein einfaches Beispiel: Gemischtes Reifenmaterial, das in der Zementindustrie eingesetzt wird, verursacht unter Umständen sogar noch Kosten. Ein feines Gummipulver aus gezielt ausgewählten Lkw-Reifen kann dagegen einen deutlich höheren Marktwert erzielen. Es geht jedoch nicht darum, sämtliches Material ausschließlich in den jeweils lukrativsten Absatzmarkt zu lenken.

Das Modell von Swedish Tyre Recycling definiert vielmehr Kriterien für ein hochwertiges Recycling. Dazu gehören:
 

  • gesellschaftlicher Nutzen,
  • die Verringerung des Einsatzes primärer Rohstoffe,
  • eine sichere Verwendung,
  • Lebenszyklusanalysen,
  • die bestmögliche Nutzung des Materials,
  • Auswirkungen auf Ökosysteme und den Kohlenstoffkreislauf,
  • die Aufrechterhaltung der Kreislaufwirtschaft,
  • Zertifizierung sowie
  • eine klar nachvollziehbare Verantwortungskette bis zur jeweiligen Anschlussanwendung.

Diese Kriterien sind entscheidend für das Verständnis des zukünftigen Modells. Marktorientierung bedeutet nicht, das Material an beliebige Abnehmer zu verkaufen. Vielmehr sollen Anwendungen entwickelt werden, in denen Reifen-Gummi, Stahl und Textilfasern sowohl technisch sinnvoll als auch ökologisch vorteilhaft eingesetzt werden können.

Die möglichen Einsatzbereiche sind vielfältig und reichen von Asphalt, Bauprodukten und gummimodifiziertem Beton über Sport- und Freizeitbeläge sowie den 3D-Druck bis hin zur Wasseraufbereitung, Pyrolyse, Energieerzeugung und Zementindustrie. In der Vision von Ardefors stellen all diese Bereiche potenzielle Absatzmärkte für genau definierte Sekundärrohstoff-Fraktionen dar.

Ein Zukunftsmodell für Altreifen

Mit seiner aktuellen Entwicklung schafft Swedish Tyre Recycling ein neues Geschäftsmodell, das die erweiterte Herstellerverantwortung als Plattform für den Aufbau einer leistungsfähigen Sekundärrohstoffindustrie nutzt. Das Modell beginnt mit der nationalen Verantwortung für Sammlung und Recycling. Darauf aufbauend kommen langfristige Investitionen in das Recyclinggeschäft, die Kontrolle über den Materialstrom, industrielle Aufbereitung, die Sortierung vor dem Zerkleinern, kundenspezifische Materialfraktionen, Rückverfolgbarkeit sowie eine aktive Marktentwicklung hinzu.

Genau darin besteht der grundlegende Wandel: weg von der reinen Altreifensammlung und hin zu einer neuen Ära der Versorgung der Industrie mit hochwertigen recycelten Rohstoffen. Für Ardefors ist dies der Weg, den das Reifenrecycling einschlagen muss, wenn es sowohl ökologischen als auch wirtschaftlichen Mehrwert schaffen soll.

Die Herstellerverantwortung bleibt dabei das Fundament des Systems. Sie soll jedoch nicht länger ausschließlich die Finanzierung von Sammlung und Entsorgung sicherstellen, sondern als Ausgangspunkt für den Aufbau eines marktorientierten Rohstoffgeschäfts dienen. In diesem Verständnis endet die Verantwortung nicht mit der ordnungsgemäßen Erfassung der Altreifen. Sie reicht bis zur Entwicklung hochwertiger Anwendungen, zur Schaffung neuer Absatzmärkte und zur Etablierung einer Kreislaufwirtschaft, in der Reifenmaterialien als gefragte Sekundärrohstoffe in industrielle Wertschöpfungsketten zurückkehren.

Fazit 

Die Kooperation zwischen Schweden und Norwegen zeigt, wie ein solcher Ansatz in der Praxis umgesetzt werden kann: durch ausreichende Materialmengen, gemeinsame industrielle Infrastruktur, standardisierte Qualitätsanforderungen und eine konsequente Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Kunden. Aus Sicht von Ardefors wird sich der langfristige Erfolg des Reifenrecyclings künftig nicht mehr allein daran messen lassen, wie viele Tonnen Altreifen gesammelt werden, sondern daran, welchen wirtschaftlichen und ökologischen Wert die daraus gewonnenen Rohstoffe tatsächlich schaffen.

Valentina Ahlavuo

Valentina Ahlavuo

Herausgeberin von RVK Uutiset, EV FINLAND, und automediat.com

Berichtet für Gateway über Nachrichten und Veranstaltungen in Nordeuropa, mit Schwerpunkt auf dem unabhängigen Ersatzteilmarkt, Elektrofahrzeugen, Werkstätten und dem Reifenhandel in Skandinavien. Gut vernetzt in der nordischen Automobilszene und begeisterte Networkerin.

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