Lesedauer: 4 Minuten
Zu den Kunden zählen Eigentümer, Liebhaber und Sammler klassischer Fahrzeuge genauso wie Werkstätten, die Lösungen für die Prüfung von Motoren und elektrischen Komponenten suchen.
Wer beim letzten Zoute Grand Prix anwesend war, hat Rock N Roll Classics vermutlich im Einsatz gesehen. Anthony Vander Stichele, Mitgesellschafter des Unternehmens, berichtet:
„Wir waren der exklusive technische Partner des Zoute Grand Prix. Während der Veranstaltung waren wir mit sechs Fahrzeugen im Einsatz, um Pannen zu beheben und technische Unterstützung zu leisten. Insgesamt führten wir etwas mehr als 140 Einsätze durch, von banalen Reifenpannen bis hin zu schwerwiegenderen Defekten. Auf diese Weise konnten wir die Teilnehmer mit praktischen Lösungen entlasten.“
Die Fahrzeuge, die am Zoute Grand Prix teilnehmen, sind sehr unterschiedlich und meist selten. Die Behebung technischer Probleme erfordert daher Fachwissen und Erfahrung – genau das ist die Spezialität von Rock N Roll Classics.
Leidenschaft, Geduld und Qualität
Das Unternehmen wurde vor zehn Jahren von Thijs Verhage gegründet. Später kam Anthony Vander Stichele als zweiter Gesellschafter hinzu. In den Anfangsjahren war nur ein Techniker beschäftigt, heute stehen 27 Mitarbeitende auf der Gehaltsliste.
Anthony Vander Stichele erklärt: „Thijs begann aus Leidenschaft für Oldtimer. Zu dieser Leidenschaft gehört auch Geduld. An einem älteren Fahrzeug zu arbeiten ist etwas anderes als an einem modernen Auto. Man braucht Geduld, um passende Teile und technische Daten zu finden. Sind Teile nicht mehr verfügbar, bleibt nichts anderes übrig, als sie selbst anzufertigen – und das braucht Zeit. Das gilt beispielsweise auch für die Suche nach der originalen Karosseriefarbe.
Wir legen großen Wert darauf, dass alles dem Original möglichst nahekommt und qualitativ hochwertig ausgeführt wird. In der Karosserieabteilung wird der Einsatz von Spachtelmasse auf ein absolutes Minimum beschränkt, und Schweißarbeiten dürfen nicht unsauber ausgeführt werden – auch nicht an Stellen, die später nicht sichtbar sind.
Bei Restaurierungen entdecken wir häufig, was wir als oberflächliche ‚Flickarbeit‘ bezeichnen – Überbleibsel früherer Reparaturen oder Restaurierungen.“
Showroom
Rock N Roll Classics befindet sich im Gistelsteenweg in Varsenare-Jabbeke.
„Früher war hier eine Lkw-Werkstatt“, erklärt Anthony Vander Stichele. Die ursprünglichen hohen Einfahrtstore wurden durch große Fenster mit Blick in den Showroom ersetzt.
„Unser physischer Fahrzeugbestand im Showroom besteht aus einer Auswahl eigener Fahrzeuge sowie aus Fahrzeugen, die im Kommissionsverkauf angeboten werden. Entsprechend unserer Qualitätsanforderungen wird jedes Auto sorgfältig ausgewählt. Unser Ziel ist es, Rock N Roll Classics als Qualitätslabel zu etablieren – und dieses Niveau zu halten.
Jedes Fahrzeug, das bei uns zum Verkauf hereinkommt, durchläuft eine gründliche Qualitätsprüfung in unserer Werkstatt. Nur Fahrzeuge, die ‚Rock N Roll-würdig‘ sind, werden für den Verkauf freigegeben.
Nach dieser umfassenden Prüfung besprechen wir mit dem Verkäufer einen realistischen und erzielbaren Verkaufspreis sowie den Mindestbetrag, den der Verkäufer erhält. Die Ergebnisse werden in einem Kommissionsvertrag festgehalten, der den Verkäufer informiert und schützt.
Wir kaufen selbstverständlich auch Fahrzeuge direkt an. Um ein bestimmtes Fahrzeug für einen Kunden zu finden, suchen wir häufig im Ausland – bis in die USA und sogar nach Südamerika.“
Werkstatt und separate Abteilungen
Die zentrale Werkstatt verfügt über zehn Hebebühnen.
„Wir arbeiten an älteren Fahrzeugen, aber unsere Ausstattung ist auf dem neuesten Stand. Wir verfügen über eine hochmoderne Diagnosestraße für Fahrwerk, Bremsen, Emissionsmessung und Lichteinstellung. Außerdem besitzen wir zahlreiche Spezialwerkzeuge. Jeder Mechaniker hat seine eigene Spezialisierung, etwa die Einstellung von Vergasern oder Einspritzanlagen.“
Motoren werden in der zentralen Werkstatt ausgebaut, die Demontage erfolgt jedoch in einem separaten Raum, um strukturiert und sorgfältig arbeiten zu können.
In der Motorenrevisionsabteilung befindet sich ein beeindruckender Maschinenpark für mechanische Bearbeitungen wie Bohren, Honen, Planen, Schleifen, Reinigen und Wuchten. Eine Spezialität ist das sogenannte Linienbohren, etwa zur Bearbeitung der Nockenwellenlagerung. Im Gegensatz zur Kurbelwelle kommen bei der Nockenwelle keine Lagerschalen zum Einsatz; die Lagerung erfolgt direkt im Zylinderkopf.
Ziel ist es, Fahrzeuge in ihren Originalzustand zurückzuversetzen. In Absprache mit dem Kunden werden jedoch auch Anpassungen zur Erhöhung von Zuverlässigkeit oder Leistung vorgenommen. Auf Wunsch werden auch Blunik-Tripmaster für Rallyes und Gleichmäßigkeitsprüfungen montiert.
Auch für externe Werkstätten werden Motorrevisionen und mechanische Bearbeitungen durchgeführt. Dasselbe gilt für die Revision von Lichtmaschinen, Alternatoren und Anlassern. Werkstätten werden nicht als Konkurrenz, sondern als Kollegen betrachtet.
Karosserie
Eine weitere wichtige Abteilung ist die Karosserie, wo sowohl Unfallschäden behoben als auch vollständige Restaurierungen durchgeführt werden. Nicht mehr verfügbare Teile werden vor Ort angefertigt. Schneid- und Biegemaschinen sind unverzichtbar, ebenso ein großes „Englisches Rad“ zur Formgebung von Karosserieteilen.
Für strukturelle Eingriffe steht eine Celette-Richtbank zur Verfügung.
Während unseres Besuchs befanden sich unter anderem ein Volvo P1800, ein Ferrari, ein Lamborghini Countach und ein äußerst seltener Mercedes 300 SL Gullwing in der Karosserieabteilung.
Die meisten dieser Mercedes-Modelle waren ursprünglich rot, silbergrau oder schwarz. Das hier restaurierte Fahrzeug soll jedoch eine seltene originale grüne Farbe erhalten – eine besondere Herausforderung bei der exakten Farbformulierung.
Im Gegensatz zur klassisch anmutenden Metallbearbeitungszone sind die Vorbereitungs- und Lackierbereiche hochmodern ausgestattet. Das Lacklabor verfügt über Spektrum Messgeräte, eine computergesteuerte Waage und UV-kompensierende Lichtsysteme.
„In unserer Mischstation verwenden wir noch immer lösemittelhaltige Lacke, wie sie auch bei Auslieferung der Fahrzeuge verwendet wurden. Alternativ stehen selbstverständlich moderne wasserbasierte Lacke zur Verfügung.“
Originalität ist besonders bei exklusiven Modellen entscheidend – wie etwa bei einem Maserati 3500 GTi mit Vignale-Karosserie, einem einzigartigen Prototyp, der Anfang der 1960er Jahre auf dem Genfer Autosalon präsentiert wurde.