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CLEPA Aftermarket Conference 2026: Daten, Wettbewerb und Regulierung im Fokus eines Marktes im Wandel

24.03.2026

Die CLEPA Aftermarket Conference 2026 hat Mitte März in Brüssel einmal mehr gezeigt, wie stark sich der europäische Automotive Aftermarket im Umbruch befindet. Branchenvertreter, Politik und Zulieferer diskutierten zentrale Zukunftsfragen – von Datenzugang über Regulierung bis hin zur Wettbewerbsfähigkeit Europas.

Lesedauer: 3 Minute

Auftakt mit Innovation: Startup-Pitches setzen Impulse

Bereits am Vorabend der Konferenz wurde deutlich, wohin sich der Aftermarket entwickelt: Im Rahmen von Startup-Pitches, die von der Automechanika-Vertreterin Sarah Lindsey moderiert wurden, präsentierten junge Unternehmen ihre innovativen Lösungen für die Branche.

Im Fokus standen Technologien aus den Bereichen Elektrifizierung, Datenanalyse, Künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit, die neue Ansätze für Diagnose, Wartung und Geschäftsmodelle im Aftermarket eröffnen. Insgesamt stellten mehrere Startups ihre Konzepte vor und gaben damit einen konkreten Ausblick auf zukünftige Service- und Wertschöpfungspotenziale.

Gewinner des Abends war das Start-up Clearly. Danielle Walsh, CEO Clearly: „Wir bieten eine Plattform, die es ermöglicht, Entscheidungen auf der Grundlage von Daten anstelle von Vermutungen zu treffen.“

Die Pitch-Sessions unterstrichen, wie stark Innovation inzwischen von neuen Marktteilnehmern getrieben wird – und wie wichtig deren Integration in bestehende Ökosysteme ist.

Data Act: Wichtiger Schritt – aber noch lange kein Ziel

Ein zentrales Thema der Konferenz war der EU Data Act, der als Meilenstein für faireren Zugang zu Fahrzeugdaten gilt. Gleichzeitig wurde deutlich: In der Praxis bestehen weiterhin erhebliche Hürden.

Praxistests zeigen, dass insbesondere standardisierte Echtzeitdaten sowie eine transparente Preisgestaltung noch nicht ausreichend gewährleistet sind. Ohne diese Grundlagen bleibt das Potenzial vernetzter Fahrzeuge für den Aftermarket begrenzt.

Hinzu kommt ein regulatorisches Problem: Unklare Definitionen darüber, welche Daten konkret zugänglich sein müssen und welche nicht, schaffen Interpretationsspielräume – und damit Unsicherheit im Markt.

Der Tenor der Branche ist eindeutig:
Eine konsequente Durchsetzung bestehender Regelwerke ist entscheidend. OEMs müssen stärker in die Pflicht genommen werden, um sicherzustellen, dass gesetzliche Vorgaben nicht nur formal existieren, sondern auch praktisch umgesetzt werden.

Wettbewerb unter Druck: MVBER nach 2028 im Fokus

Neben dem Datenzugang rückte auch der Wettbewerb in den Mittelpunkt. Die Motor Vehicle Block Exemption Regulation (MVBER) hat sich in der Vergangenheit als stabiler Rahmen für fairen Wettbewerb erwiesen.

Doch die Transformation der Branche – geprägt von Digitalisierung, softwaregetriebenen Geschäftsmodellen und neuen Servicekonzepten – stellt bestehende Regelwerke zunehmend auf die Probe.

Die Botschaft aus Brüssel:
Eine Weiterentwicklung der MVBER über 2028 hinaus ist unerlässlich, um sicherzustellen, dass unabhängige Marktteilnehmer auch künftig gleichberechtigten Zugang zu Fahrzeugdaten, Reparatur- und Wartungsinformationen erhalten.

Wettbewerbsfähigkeit Europas: Zeit wird zum kritischen Faktor

Über allem stand die Frage nach der globalen Wettbewerbsfähigkeit Europas. Verzögerungen bei der Umsetzung regulatorischer Rahmenbedingungen könnten weitreichende Folgen haben – nicht nur für einzelne Unternehmen, sondern für den gesamten Standort.

Die Branche warnt vor erheblichen wirtschaftlichen Verlusten, wenn notwendige Anpassungen zu spät erfolgen. Gleichzeitig geht es um mehr als wirtschaftliche Interessen:
Eine funktionierende, wettbewerbsfähige Aftermarket-Struktur ist eine zentrale Voraussetzung für bezahlbare Mobilität in Europa.

Mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede

Ein bemerkenswerter Aspekt der Diskussionen: Trotz unterschiedlicher Interessenlagen wurde deutlich, dass es zunehmend viele gemeinsame Themen zwischen markengebundenen Akteuren und dem Independent Aftermarket gibt.

Gerade bei Themen wie Datenzugang, Cybersecurity oder regulatorischer Klarheit bestehen gemeinsame Herausforderungen, die nur durch Zusammenarbeit gelöst werden können.

Fazit: Der Aftermarket steht an einem Wendepunkt

Die CLEPA Aftermarket Conference 2026 hat verdeutlicht, dass der europäische Aftermarket an einem entscheidenden Punkt steht.

Von disruptiven Startup-Innovationen bis hin zu regulatorischen Grundsatzfragen zeigt sich:
Die Zukunft des Aftermarkets wird gleichermaßen von Technologie, Regulierung und Kooperation geprägt.

Entscheidend wird sein, ob es gelingt, einen klaren, fairen und durchsetzbaren Rahmen zu schaffen – und gleichzeitig Innovationen schnell in den Markt zu bringen.

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