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Women, Transformation & Performance: Impulse aus der Automobilbranche

23.03.2026

Wie verändern sich Führung, Verhandlungskultur und Kompetenzen in Zeiten von Transformation, Elektromobilität und Künstlicher Intelligenz? Antworten darauf lieferte gestern ein hochkarätig besetztes Event mit internationalen Top-Managerinnen aus Industrie und Wirtschaft. Im Mittelpunkt standen neue Führungsansätze, weibliche Perspektiven auf Macht und Verantwortung sowie die Frage, welche Skills künftig wirklich zählen.

Lesedauer: 4 Minute

Neue Perspektiven auf Führung und Verhandlungen

Automobilwoche Women´s Leadership Day 2026

Gleich zu Beginn wurde im Panel mit Laura Kronen, Sabine Scheunert und Maria Grazia Davino deutlich: Frauen agieren in Verhandlungen häufig anders als Männer – systemischer, kommunikativer und weniger machtorientiert. Dennoch sind sie insbesondere bei großen Deals nach wie vor unterrepräsentiert und eher in klassischen HR-Rollen sichtbar.

Die Speakerinnen plädierten für mehr Mut zur Sichtbarkeit und weniger Perfektionismus. Entscheidend sei, früh anzusetzen – etwa durch Bildung und Erziehung und dem Erlernen eines spielerischeren Umganges mit Wettbewerb. Der internationale Vergleich, etwa mit China, zeige, wie schnell Entwicklung („China Speed“) durch gezielte Förderung gelingen kann. Gleichzeitig wurde die Bedeutung von „Sisterhood“ betont: Netzwerke und gegenseitige Unterstützung seien ein zentraler Erfolgsfaktor.

Auffällig: Viele der Diskussionsteilnehmerinnen berichteten, dass ihre Karriere auch durch gezielte Förderung durch männliche Führungskräfte ermöglicht wurde – nicht zuletzt, weil es noch zu wenige Frauen in Spitzenpositionen gibt.

Performance, Marke und Community: BMW M als Erfolgsmodell

Einen starken Markenfokus brachte Silvia Neubauer, Vice President Customer, Brand and Sales bei BMW M, ein. Die Marke sei klar positioniert: „Born on the racetrack – made for the streets“. Motorsport-DNA werde konsequent in den Alltag übersetzt und bilde die Grundlage für eine leidenschaftliche Community.

BMW M setzt dabei gezielt auf Community-Building, etwa durch Car Clubs oder exklusive Sondereditionen wie die auf 46 Fahrzeuge limitierte „VR46 Edition“ mit MotoGP-Legende Valentino Rossi – inklusive persönlicher Erlebnisse auf seiner Heimstrecke.

Auch neue Zielgruppen werden strategisch erschlossen: Influencer, Street-Art-Künstler und Markenbotschafterinnen wie Rennfahrerin Samantha Tan tragen zur kulturellen Aufladung der Marke bei. Parallel dazu treibt BMW M die Elektrifizierung voran – unter anderem mit einer vollelektrischen Variante des M3. Eine begleitende Doku-Serie („BMW M Electrified“) nimmt die Community aktiv in diesen Transformationsprozess mit.

Raus aus der Komfortzone: Frauen sichtbar machen

Anika Stappenbeck, Personalvorständin von Volkswagen, stellte die Förderung von Frauen in den Mittelpunkt. Ihr Credo: „Raus aus der Komfortzone“. Sichtbarkeit sei entscheidend – ebenso wie Transparenz bei Talenten und Karrieren.

Volkswagen habe bereits Fortschritte erzielt, etwa durch zwei Frauen in der Werksleitung. Gleichzeitig bleibe viel zu tun, insbesondere bei fairer Vergütung und struktureller Gleichstellung. Ihr Rat: Verbündete suchen, Ideen klar formulieren und aktiv Gehör verschaffen.

Künstliche Intelligenz: Große Chancen, geringe Nutzung

Ein weiteres zentrales Thema war der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Unternehmen. Trotz hoher Erwartungen nutzen die meisten Organisationen KI bislang nur in wenigen Anwendungsfeldern – oft in weniger als fünf Bereichen, berichtete Isabel Hartung.

Die Diskussion machte deutlich: Der technologische Wandel erfordert nicht nur Investitionen, sondern vor allem neue Kompetenzen und ein Umdenken in der Organisation.

Die Skills der Zukunft: Vom Lebenslauf zur Kompetenz

In einer Masterclass wurde deutlich, dass wir uns vom Informations- ins Transformationszeitalter bewegen – geprägt von permanenter Beschleunigung. Klassische Lebensläufe verlieren an Bedeutung, während nachweisbare Fähigkeiten („Skills“) in den Vordergrund rücken.

Unternehmen setzen zunehmend auf Skill-Management und individuelle Kompetenzprofile. Entscheidend ist dabei, frühzeitig in Bildung zu investieren, um digitale Kompetenzlücken zu schließen. Gefragt sind künftig unter anderem:

  • Adaptionsfähigkeit und Lernbereitschaft
  • Systemisches Denken
  • Digitale und technologische Kompetenz
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Entscheidungsstärke

Elektromobilität im Spannungsfeld von Regulierung und Markt

Auch die Transformation zur Elektromobilität bleibt komplex. In einer weiteren Masterclass der Hogan Lovells Partnerinnen Jessica Goetsch und Melanie Schub wurden zentrale Herausforderungen diskutiert: regulatorische Anforderungen, Datenschutz, Rohstoffverfügbarkeit, Ladeinfrastruktur sowie globale Wettbewerbsfähigkeit.

Führung neu denken: Verantwortung statt Macht

Ein Panel mit den erfahrenen Managerinnen Imelda Labbé, Gaby Luise Wüst und Sevilay Gökkaya machte deutlich, wie sich Führung verändert. Die erste Führungsposition sei für sie alle die größte Herausforderung gewesen – gleichzeitig aber auch ein Vertrauensbeweis ihrer damaligen Führungskräfte.

Moderne Führung bedeutet heute vor allem:

  • Klarheit und Transparenz schaffen
  • Verantwortung übernehmen
  • Entscheidungen trotz Unsicherheit treffen

Macht werde dabei weniger als Status verstanden, sondern als Werkzeug zur Entscheidungsfindung. Besonders in komplexen Systemen mit vielen Abhängigkeiten sei ein systemischer Blick entscheidend.

Interessant: Frauen werden häufig dann in Führungsrollen berufen, wenn Situationen besonders neu oder risikobehaftet sind – eine Herausforderung, die zugleich große Chancen bietet.

Informelle Netzwerke als Erfolgsfaktor

Ein oft unterschätzter Aspekt sind informelle Machtstrukturen – gerade in der Automobilbranche. Wer erfolgreich sein will, muss diese verstehen und aktiv nutzen. „Sensoren ausbauen“ lautete der Rat von Imelda Labbé: beobachten, zuhören und erkennen, wo Entscheidungen tatsächlich vorbereitet werden.

Fazit: Transformation braucht Mut, Kompetenz und Vielfalt

Das Event zeigte eindrucksvoll: Die Transformation der Industrie ist nicht nur technologisch, sondern vor allem kulturell. Es geht um neue Führungsmodelle, mehr Diversität und die Fähigkeit, mit Unsicherheit umzugehen.

Oder, wie es eine der Speakerinnen formulierte:

„Es geht um Impact – und darum, Dinge einfach zu machen. Ohne Angst.“
 

Zum Automobilwoche Womens Leadership Day 2026
Lisa Ludwig

Lisa Ludwig

Chefredakteurin „Gateway to Automotive“

Immer auf der Suche nach außergewöhnlichen Themen, Menschen und Vernetzungen.

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