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Metropolen rund um den Globus setzen auf das Fahrrad, um den Schadstoffausstoß in den Städten zu senken und um eine neue Lebensqualität in den Metropolregionen zu schaffen. Das Dienstrad, das über den Arbeitgeber geleast wird, und so Steuern spart, ist hierbei weit mehr als nur ein gesundes Fortbewegungsmittel. Wasilis von Rauch, Geschäftsführer des Branchenverbands Zukunft Fahrrad in Berlin geht noch einen Schritt weiter: „Das Dienstradleasing ist ein echter Gamechanger für die Menschen, die damit effizient und gesund zur Arbeit kommen, und für die Fahrradwirtschaft, die dadurch eine stabile Nachfrage nach hochwertigen Modellen hat.“ Zweirädern kommt international eine Schlüsselrolle zu, die Verkehrsströme in Ballungsräumen zu entlasten, sofern die gesetzlichen und strukturellen Rahmenbedingungen dies unterstützen. Diensträder beschleunigen diesen Trend, das belegen aktuelle Branchenzahlen.
Ein Markt im Wandel: Die Zahlen eines Aufstiegs
Das Modell des Dienstradleasings wurde ursprünglich in Deutschland entwickelt, und diese Erfahrungen dienen heute als Vorbild für ganz Europa. Die Erfolgsgeschichte mit Wachstumssprüngen von fast 30 Prozent pro Jahr, hat jetzt vorerst eine Grenze erreicht. Das zeigt die aktuelle Untersuchung „Der deutsche Dienstradleasing-Markt 2026“ des Marktforschungsinstituts Deloitte gemeinsam mit dem Branchenverband Zukunft Fahrrad: 2025 sank der Gesamtumsatz der Branche um vier Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Auch die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge ging um fünf Prozent auf 720.000 Stück zurück.
Hinter diesen rückläufigen Zahlen verbirgt sich im Kern jedoch eine Beständigkeit: Die Dienstrad-Flotten in deutschen Unternehmen wachsen weiter, da viele Verträge über mehrere Jahre laufen. Für Wasilis von Rauch, sind die Zahlen der Beleg für eine Rückkehr zur Normalität nach einer außergewöhnlich starken Entwicklung: „Nach dem rasanten Wachstum der Rekordjahre normalisiert sich der Dienstradleasing-Markt. Trotzdem haben sich mehr als 60.000 Arbeitgeber 2025 entschlossen, das Leasing anzubieten. Enorme Chancen für die Branche sehe ich auch in einer wachsenden Konversion.“ Denn viele Firmen könnten ihre Bedingungen für Dienstradleasing noch attraktiver gestalten. Noch eine Zahl, die kontinuierlich steigt: Dank langfristiger Verträge waren 2025 rund 2,2 Millionen Menschen mit Diensträdern auf deutschen Straßen und Radwegen unterwegs. Im Vorjahr waren es 2,1 Millionen und davor 1,9 Millionen.
Das E-Bike als treibende Kraft
Dem E-Bike kommt beim Dienstradleasing eine besondere Rolle zu: Mit einem Anteil von 77 Prozent an allen neuen Verträgen im Jahr 2025 dominiert der Elektroantrieb den Markt. Laut Wasilis von Rauch wurden so kostspielige E-Bikes massentauglich gemacht. Laut der Deloitte-Studie hat bereits jeder vierte Haushalt in Deutschland ein Rad mit Elektromotor. Und ein Drittel davon kommt über das Leasing. „In meinen Augen ist das nichts weniger als eine Marktrevolution“, so von Rauch.
Inzwischen sind 17,2 Millionen Elektrofahrräder in Deutschland gemeldet – eine Zahl, die sich innerhalb von zehn Jahren fast versiebenfacht hat. Obwohl das Wachstum zuletzt etwas an Tempo verloren hat, bleibt das Potenzial für den täglichen Weg zur Arbeit groß. Die Vorteile laut Wasilis von Rauch: „Das E-Bike macht die Fahrradnutzung einfacher, inklusiver und attraktiver, besonders für mittlere Distanzen oder Berufspendler, und ist damit ein zentraler Baustein der Mobilität der Zukunft.“ Ein wesentlicher Faktor ist dabei das Preisniveau: Geleaste Räder sind meist hochpreisige Modelle mit Durchschnittspreisen von 3.500 Euro. Durch die Steuervorteile des Leasings erhalten mehr Menschen Zugang zu hochwertiger Technik.
Die Rolle der Großunternehmen: Das Beispiel SAP
Trend-Beschleuniger sind Konzerne wie der IT-Riese SAP in Walldorf: Mit rund 25.000 Angestellten in Deutschland gehört das Unternehmen seit 2011 zu den ersten großen Betrieben, die auf das Dienstrad setzten. „Jeder zweite Mitarbeiter bei SAP hat bereits ein Dienstrad“, bestätigt Steffen Krautwasser, Head of Global Car Fleet and Travel bei SAP. Er verzeichnet 13.000 abgeschlossene Dienstrad‑Leasingverträge.
Grund für die Erfolgsstory sei nicht allein die Ersparnis, sondern das gesamte Umfeld. „SAP fördert das Dienstradleasing mit einer Kombination aus finanziellen Vorteilen, Gesundheits-Benefits und einer guten Infrastruktur“, so Krautwasser. Dazu gehören Fahrradchecks, Beratungen und Sicherheitstrainings. Zudem blickt der Konzern über die Grenzen Deutschlands hinaus und bietet das Modell bereits in Österreich an.
Herausforderungen und Bedenken der Nutzer
Trotz der Erfolge gibt es auch Bremsfaktoren für die Beschäftigten: Eine Befragung von über 600 Erwerbstätigen im Rahmen der Studie ergab, dass zwar viele das Konzept kennen, aber nur 17 Prozent planen, in den nächsten zwölf Monaten tatsächlich ein Rad zu leasen. Die Gründe für diese Skepsis sind oft praktischer Natur: 38 Prozent der Befragten stören sich an der langfristigen Bindung über meist drei Jahre. 31,5 Prozent fürchten Schwierigkeiten oder Kosten, falls sie den Arbeitsplatz während der Laufzeit verlassen. 23,4 Prozent geben an, dass sie sich bei den Vertragsbedingungen unsicher fühlen.
Zukunft: kleine Betriebe und Wiederverwertung
Branchenbeobachter warnen: Um die Verkehrswende weiter voranzutreiben, muss das Modell Dienstradleasing in Zukunft vor allem kleinere Betriebe erreichen. Rund 97 Prozent aller Unternehmen in Deutschland haben weniger als 50 Angestellte, doch in diesem Bereich ist das Dienstrad bisher noch zu selten zu finden. Zudem rückt Kreislaufwirtschaft stärker in den Fokus. Wenn Räder nach Ende der Laufzeit zurückgegeben werden, eröffnen sich neue Wege. Wasilis von Rauch von Zukunft Fahrrad sieht hier große Chancen: „Die Rückläufer aus dem Leasing bieten ein großes Potenzial, um hochwertige Räder für mehr Menschen zugänglich zu machen.“
Auch bei SAP läuft das Thema weiter. Steffen Krautwasser: „SAP entwickelt das Dienstradleasing kontinuierlich weiter. Mit einer aktuellen Ausschreibung modernisieren wir derzeit Prozesse, verbessern die Konditionen und digitalisieren die Plattformen weiter. Ziel ist es, das Fahrrad langfristig als feste, attraktive Mobilitätsalternative im Unternehmen zu verankern.“
Marktsättigung mit ersten Konsequenzen
In Deutschland haben sich inzwischen eine Handvoll Leasing-Anbieter etabliert, die zusammen 85 Prozent aller Verträge abwickeln. Dazu gehören Bikeleasing, Jobrad, Businessbike, Eurorad und Kazenmaier Leasing. Inmitten dieser stabilen Anbieterlandschaft zeigen sich jedoch erste personelle Konsequenzen der Marktsättigung. Obwohl die Zahl der Beschäftigten bei diesen Firmen im Jahr 2025 auf rund 2.100 Personen anstieg, haben mehrere Anbieter nun personelle Kürzungen angekündigt. Dies unterstreicht den wachsenden Druck, die Abläufe zu vereinfachen und digitaler zu gestalten.
Technik allein reicht nicht
Hardware allein wird die Art, wie wir uns bewegen, jedoch nicht vollständig ändern. Wasilis von Rauch gibt zu bedenken, dass die Zweirad-Technik auf der Straße auch Platz braucht: „Wir brauchen eine moderne Infrastruktur, die 30 Millionen Radfahrern in Deutschland ein überzeugendes Angebot macht und in Zukunft noch mehr Menschen begeistert.“ Ohne den Bau sicherer Wege und die Gestaltung der Städte, die das Radfahren begünstigt, werden Diensträder an Grenzen stoßen – ungeachtet der Millionen verkauften Elektrofahrräder.