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Was sind die größten Hebel, um die Nachhaltigkeit von Farben und Lacken im Automotive-Bereich zu erhöhen?
Bei BASF Coatings setzen wir auf drei Prioritäten: Klimaschutz, ökoeffiziente Lösungen und sichere Chemikalien. Klimaschutz ist Kern unserer Strategie – von der gesamten Wertschöpfungskette bis zum Lackierprozess, der durch energieintensive Trocknung stark beeinflusst wird. Mit Lösungen wie unserem Low-Curing-Klarlack senken wir CO₂-Emissionen. Innovationen treiben uns voran: Die Glasurit Reihe 100 reduziert VOC-Emissionen um 40 Prozent gegenüber globalen Standards, verbessert Arbeitsschutz und senkt Emissionskosten. So schaffen wir neue Nachhaltigkeitsstandards und Chancen für die Kreislaufwirtschaft.
1. Biomassenbilanzierte Produkte? Welche wären das und wie ist ihre Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit? Lässt sich das Ausmaß beziffern, in dem sie schon zur Anwendung kommen? Ist ein Ziel von 100 Prozent Anteil nachwachsender Rohstoffe erreichbar?
Durch den Einsatz von massenbilanzierten Verfahren leisten wir heute wichtige Pionierarbeit, um die Abhängigkeit von endlichen Rohstoffquellen langfristig zu reduzieren. Diese Differenzierung wird sich langfristig auch wirtschaftlich auszahlen, da die Preise für konventionelle Rohstoffe durch Knappheit steigen werden.
Mit unserer Produktreihe Glasurit Eco Balance bieten wir ein weltweit einzigartiges Angebot, mit dem der ökologische Fußabdruck des Produkts reduziert wird. So senkt der Glasurit A-C-24 Chemcycled® -Klarlack den CO₂-Fußabdruck um bis zu 40 Prozent. Für 5 Liter Klarlack werden etwa 2 Autoreifen recycelt. Über 4.300 Kunden in mehr als 55 Ländern nutzen unsere Produkte. Seit der Einführung konnten so über 19.000 Tonnen CO₂ eingespart werden – das entspricht mehr als 4.100 Erdumrundungen mit dem Auto.
2. CO₂-Reduzierung in der Herstellung? Referenzprojekte wie an zwei Standorten in den USA haben bereits seit Anfang 2025 100 Prozent erneuerbare Energien erreicht. Wie sieht es in der Breite aus? Wovon hängt die Dynamik der Transformation ab?
Wir treiben die Transformation nicht nur voran, um unsere eigenen CO₂-Reduktionsziele zu erreichen, sondern unterstützen auch unsere Kunden dabei, mit CO₂ reduzierten oder reduzierenden Produkten die GHG-Ziele zu erreichen.
Wir verbessern demnach die Energieeffizienz, fördern die Transformation all unserer Standorte und optimieren unsere Ressourcennutzung sowie den Energieverbrauch. So haben wir beispielsweise Recyclingprozesse für Methyl Ethyl Ketone (MEK) an unseren Standorten in Shanghai und Münster implementiert und sparen damit CO₂ ein.
Gleichzeitig steigen wir auf erneuerbare Energiequellen und innovative Technologien um. Als BASF Coatings beziehen wir mittlerweile fast 70 Prozent des globalen Strombedarfs aus erneuerbaren Energien.
3. Nachhaltige Designprinzipien? Was ist darunter zu verstehen – bedeuten sie „Kompromisse“ an das Design?
Nachhaltige Designprinzipien bedeuten, Produkte von Anfang an ökologisch und ökonomisch sinnvoll zu gestalten. In der Kreislaufwirtschaft sind R-Strategien wie Wiederverwendung, Reparatur und Recycling zentral. Für Lacke heißt das: Unsere Beschichtungslösungen bieten langlebigen Schutz und ermöglichen Reparaturen („extend the loop“). Zugleich stellt das Recycling robuster Systeme eine Herausforderung dar („close the loop“). Ziel ist es, Langlebigkeit und Ästhetik mit Kreislauffähigkeit in Einklang zu bringen.
4. Wie hilft BASF Werkstätten dabei, ihre Nachhaltigkeitsziele schneller zu erreichen? Mit der digitalen Plattform „Refinity“ können Werkstätten ihren individuellen CO₂-Fußabdruck messen. Was sind die ersten Erfahrungen damit?
Mitte des Jahres haben wir das Refinity Eco Impact Assessment in ausgewählten Märkten eingeführt. Damit kann die Nachhaltigkeit von Werkstätten anhand von Zahlen und Fakten bewertet werden. Das Tool analysiert Lackierkabinennutzung, Stromverbrauch, Produkteinsatz, Abfallaufkommen sowie Flottenemissionen und berechnet daraus die CO₂-Bilanz nach GHG-Protokoll. Kunden schätzen den Branchenvergleich und die konkreten Verbesserungsvorschläge. So lassen sich Kosten sparen und Effizienz sowie Nachhaltigkeit steigern.
5. Langlebigkeit, Abfallreduzierung? Braucht es Kooperation, Partnerschaften und auch die Einbindung der Kunden, um auf dem Weg zu einer Kreislaufwirtschaft weiterzukommen?
Um Wertschöpfungsketten wirklich zu verbessern, genügt es nicht, wenn jeder Akteur isoliert seine „Hausaufgaben“ macht. Die nachhaltige Transformation gelingt nur durch Zusammenarbeit, denn nur gemeinsam treiben wir die besten Lösungen voran. Unsere Kunden sind dabei die wichtigsten Partner: Wir arbeiten eng und partnerschaftlich zusammen, um Innovation zu schaffen. Gleichzeitig entstehen neue Rollen und Kooperationsmöglichkeiten im gesamten Ökosystem, etwa bei Prozessen wie Recycling am Ende des Produktlebenszyklus. Auch andere Akteure, beispielsweise Versicherungen, spielen eine wachsende Rolle in diesem Wandel.