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Radfahrer und Fußgänger an urbaner Kreuzung mit Radweg

Das ist die Mobilität in Deutschland

16.02.2026

Die Erhebung „Mobilität in Deutschland“ (MiD) ist eine der größten Studien ihrer Art weltweit und zeigt mit hohem Datenaufwand, wie Mobilität in Deutschland wirklich gelebt wird. Hier die Ergebnisse im Überblick.

Lesedauer: 5 Minuten

Mobilität im Wandel: Rückgang von Wegen und Geschwindigkeit

Grafik: Wohin die Wege verschwunden sind
Wohin die Wege verschwunden sind. Quelle: MiD 2002-2023

Im Vergleich zu den Erhebungen von 2002, 2008 und 2017 zeigt sich, dass die deutsche Bevölkerung insgesamt weniger und langsamer unterwegs ist. Die durchschnittliche Wegeanzahl beschreibt, wie viele Wege eine Person an einem Tag zurücklegt. Während sie von 3,3 Wegen im Jahr 2002 auf 3,4 Wege im Jahr 2008 leicht anstieg, sank sie 2017 auf 3,1 Wege und liegt 2023 bei 2,9 Wegen pro Tag. Trotz sinkender Wegeanzahl und zurückgehender Tageskilometer bleibt die durchschnittliche tägliche Unterwegszeit mit 84 Minuten nahezu auf dem Niveau der MiD 2017 (85 Minuten). Ursachen für die geringere Wegeanzahl sind unter anderem Homeoffice-Modelle, Online-Shopping sowie das verstärkte Bündeln von Wegen. Die nahezu konstante Unterwegszeit trotz sinkender Wegeanzahl deutet auf einen zähflüssigeren Verkehr hin.

Auch der ökonomische Status1 beeinflusst die Mobilitätsquote: Während Personen mit sehr hohem Einkommen täglich zu 86 Prozent mobil sind, liegt der Anteil bei sehr niedrigem Einkommen nur bei 74 Prozent. Gleichwohl hat sich der Abstand zwischen diesen Gruppen im Vergleich zur MiD 2017 leicht vergrößert (2017: 8 Prozentpunkte, 2023: 12 Prozentpunkte). Dies deutet auf Ungleichheiten bei der Teilhabe am öffentlichen Leben oder Inanspruchnahme von Mobilität hin.

Wohin die Wege verschwunden sind. Quelle: MiD 2002-2023

Räumliche Struktur bestimmt die Verkehrsmittel

Grafik: Metropole und Großstad - Ländlicher Vergleich
Stadt vs. Land – die Mobilitätskluft. Quelle: MiD 2023

Der Vergleich des urbanen und ländlichen Raums zeigt, dass in Metropolen und Großstädten Pkw-Fahrten und zu Fuß zurückgelegte Wege nahezu gleichauf liegen (33,6 Prozent gegenüber 31,2 Prozent). Dabei handelt es sich um den Anteil der Wege, nicht um die zurückgelegte Entfernung in Kilometern. Das ähnliche Niveau der beiden Mobilitätsformen im urbanen Raum lässt sich mit der hohen Dichte von Wohn-, Arbeits- und Versorgungsstandorten in der Stadt erklären, die kurze Wege begünstigt und den Fußverkehr stärkt. Der ÖPNV wird in Metropolen und Großstädten mit 20,4 Prozent am dritthäufigsten genutzt. Mit 14,8 Prozent ist das Fahrrad (einschließlich E-Bikes) das am wenigsten genutzte Verkehrsmittel und liegt damit auf einem ähnlichen Niveau wie im ländlichen Raum.

Im ländlichen Raum dominiert der Pkw deutlich: Mit 63,2 Prozent ist er das Hauptverkehrsmittel und wird damit mehr als zwölfmal so häufig genutzt wie der ÖPNV. Rund ein Fünftel der Wege wird zu Fuß zurückgelegt.

Carsharing-Angebote spielen vor allem in Metropolen und Großstädten eine Rolle. Dort verfügt mittlerweile mehr als jeder fünfte Haushalt über mindestens eine Mitgliedschaft – fast doppelt so viele wie noch 2017. Gleichzeitig ist der Anteil der Mitglieder, die Carsharing kaum nutzen, von 22 Prozent im Jahr 2017 auf 25 Prozent im Jahr 2023 gestiegen.

Stadt vs. Land – die Mobilitätskluft. Quelle: MiD 2023

Das E-Bike ist der am schnellsten wachsende Verkehrsträger

Grafik: E-Bike als Konkurrent zum Pkw
E-Bike als Konkurrent zum Pkw. Quelle: MiD 2023

Die Elektrifizierung des Fahrrads geht mit deutlich längeren durchschnittlichen Wegelängen einher und stärkt das Fahrrad als Alltagsverkehrsmittel auch für längere Distanzen. Während das konventionelle Fahrrad im Durchschnitt für Wege von 3,7 Kilometern genutzt wird, erhöht sich die durchschnittliche Wegelänge beim Pedelec (E-Bike) auf 6,3 Kilometer. Fielen 2017 noch rund 82 Prozent der geradelten Wege in den Entfernungsbereich bis unter fünf Kilometer, liegt dieser Anteil 2023 bei etwas unter 80 Prozent. Dies deutet auf eine zunehmende Nutzung von E-Bikes für längere Wege hin.
Auf Distanzen bis etwa zehn Kilometer entwickelt sich das Pedelec damit zu einem wichtigen Substitut für den Pkw. Die durchschnittliche Wegelänge nähert sich dem Pkw-Niveau (11,8 Kilometer) an, während zu Fuß zurückgelegte Wege mit durchschnittlich 0,9 Kilometern weiterhin vor allem kurze Distanzen abdecken. Für längere Alltagswege wird überwiegend der öffentliche Verkehr genutzt, dessen durchschnittliche Wegelänge bei 14,5 Kilometern liegt.

E-Bike als Konkurrent zum Pkw. Quelle: MiD 2023

Fahrräder insgesamt in deutschen Haushalten

Grafik: Kommt in Deutschland auf jeden Bewohner ein Fahrrad?
Kommt in Deutschland auf jeden Bewohner ein Fahrrad? Quelle: MiD 2017-2023

Wie bereits 2017 geben auch 2023 knapp drei von vier befragten Personen an, mindestens ein Fahrrad zu besitzen. Insgesamt ergibt sich für 2023 ein Bestand von rund 81 Millionen Fahrrädern, darunter etwa 12 Millionen Pedelecs. Zum Vergleich: 2017 umfasste der Fahrradbestand rund 77 Millionen Räder, davon waren etwa 4 Millionen mit elektrischer Unterstützung. 21 Prozent der Haushalte besitzen inzwischen mindestens ein E-Bike, während dies 2017 lediglich bei 8 Prozent der Fall war. Konventionelle Fahrräder sind mit 842 Rädern pro 1.000 Personen nach wie vor verbreiteter als solche mit Elektroantrieb. Der Rückgang des Fahrradbesitzes seit 2017 (880 konventionelle Räder pro 1.000 Personen) deutet aber darauf hin, dass einzelne konventionelle Fahrräder bereits durch Pedelecs ersetzt wurden.

Da zwar der Gesamtbestand der Fahrräder angestiegen ist, nicht aber die Anzahl der Fahrradbesitzenden, geht dieser Zuwachs auf den Mehrfachbesitz zurück. Gewachsen ist nicht der Anteil der Fahrradbesitzenden, sondern die Zahl der Fahrräder pro Person.

Gerade ältere Menschen gelten als Hauptzielgruppe für E-Bikes. Dabei hat sich seit 2017 die Zahl der Pedelec-Nutzenden in allen Altersgruppen vervielfacht, wobei gerade die jüngeren Altersgruppen aufholen. Während der Anteil der werktäglichen Pedelec-Nutzenden bei den über 60-Jährigen um Faktor zwei bis drei zugenommen hat, hat sich der Anteil bei den unter 40-Jährigen seit 2017 verzehnfacht.

Kommt in Deutschland auf jeden Bewohner ein Fahrrad? Quelle: MiD 2017-2023

Stehzeug statt Fahrzeug - der private Pkw-Besitz

Grafik: Bestandsfahrzeuge
Quelle: MiD 2002-2023 (BMDV)

Seit 2002 ist der private Pkw-Besitz in Deutschland deutlich gestiegen. Während 2002 rund 44,4 Millionen Pkw zugelassen waren, lag der Bestand 2023 bei 46,4 Millionen. Der zwischenzeitliche Rückgang im Jahr 2008 (40 Millionen) ist auf eine methodische Änderung der Zählweise beim Kraftfahrt-Bundesamt zurückzuführen: Vorübergehend stillgelegte Fahrzeuge wurden damals aus der Statistik herausgerechnet.

Der zuletzt erfolgte Anstieg von 43,3 Millionen Autos (2017) auf über 46 Millionen (2023) verdeutlicht, dass immer mehr Fahrzeuge zur Verfügung stehen. Der Trend zum eigenen Fahrzeug führt dazu, dass Fahrzeuge weniger zwischen Personen geteilt werden und Nutzungsintensitäten abnehmen.

Der durchschnittliche Besetzungsgrad von Pkw-Fahrten ist seit 2002 von 1,51 auf 1,43 Personen zurückgegangen. Besonders niedrig ist er bei Arbeitswegen (1,07 Personen), während Freizeitfahrten häufiger gemeinsam erfolgen (1,72 Personen). Fast die Hälfte aller Autos bleibt an einem durchschnittlichen Tag ungenutzt; 2008 belief sich dieser Anteil noch auf ein Drittel. Auch die durchschnittliche Fahrzeit pro Tag liegt 2023 mit 42 Minuten deutlich unter den Werten von 2008 und 2017.

Die geringere Pkw-Nutzung zeigt sich auch im Pendlerverkehr: In den Spitzenstunden am Dienstag- und Mittwochnachmittag liegt die Zahl der unterwegs befindlichen Autos fast ein Viertel unter dem Niveau von 2017, plausibel erklärbar durch den Rückgang des Pendelverkehrs infolge von Homeoffice. Demgegenüber liegt die Kfz-Nachfrage am Freitagnachmittag 2023 leicht über dem Wert von 2017.

Quelle: MiD 2002-2023 (BMDV)

Große Unterschiede zwischen Stadt und Land

Grafik: Wie erfolgreich ist das Deutschlandticket?
Wie erfolgreich ist das Deutschlandticket? Quelle: MiD 2023

Das Deutschlandticket wurde kurz vor der Feldzeit der MiD 2023 eingeführt. Im Durchschnitt verfügen 16 Prozent der deutschen Bevölkerung während des Erhebungszeitraums über ein Deutschlandticket. Während in Metropolen und Großstädten jeder dritte Bewohner das Ticket besitzt, ist es nur jeder zehnte im ländlichen Raum. Die geringere Verbreitung des Deutschlandtickets im ländlichen Raum ist neben schwächerem Netzausbau und geringerer Taktung auch auf die hohe Pkw-Verfügbarkeit, lange Reisezeiten sowie die geringe Alltagsrelevanz des ÖPNV zurückzuführen. Für viele Wege bleibt der öffentliche Verkehr trotz günstiger Ticketpreise keine praktikable Alternative.

Unter den Personen, die den ÖPNV täglich oder fast täglich nutzen, ist das Deutschlandticket die am häufigsten genutzte Ticketart. 58 Prozent dieser Gruppe sind in den Jahren 2023 und 2024 mit dem Deutschlandticket unterwegs. Die restlichen Personen dieser Gruppe nutzen zum großen Teil andere Abo-Modelle. Je seltener der ÖPNV genutzt wird, desto höher ist der Anteil der Personen, die den Bartarif nutzen. So nehmen 50 Prozent der Personen, die den ÖPNV an ein bis drei Tagen im Monat nutzen, Einzeltickets oder Tageskarten in Anspruch. 18 Prozent dieser Gruppe geben an, dass sie trotz geringer ÖPNV-Nutzung das Deutschlandticket besitzen.

Wie erfolgreich ist das Deutschlandticket? Quelle: MiD 2023

Michael Hopp

Text: Michael Hopp

Head of Content bei der Gateway-Redaktion und absoluter Pionier beim Erkennen von Automotive Trends

1 Laut MiD leitet sich der ökonomische Status eines Haushalts gemäß dem Prinzip des Äquivalenzeinkommens ab. Dieses leitet sich wiederum aus dem Haushaltsnettoeinkommen und der gewichteten Haushaltsgröße ab und hat sich in der Sozial- und Armutsforschung für Analysen der Einkommensverteilung etabliert.

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