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Herr Dr. Geigle, wo begegnet einem Autofahrer MAHA, ohne dass er es weiß?
Wer schon einmal bei der Hauptuntersuchung war, kennt uns indirekt: Man fährt in der Regel über unseren Bremsprüfstand. In Deutschland liegen wir beim Ausstattungsgrad fast bei 95 Prozent, weltweit bei etwa 60 Prozent. Ob in Deutschland beim TÜV oder in Tansania: Unsere Technik hilft zu prüfen, ob die Bremsen funktionieren.
Wie sehr muss sich MAHA vom Maschinenbauer zum Softwareanbieter verändern?
Jeder denkt, MAHA baut Eisen und Stahl. Aber unser Erfolgsgeheimnis ist seit Jahrzehnten die Software in den Prüfständen und deren Vernetzung. Jedes Land prüft Fahrzeuge anders. Wir passen Abläufe und Schnittstellen zu den Behördensystemen entsprechend an. In Spanien kann ein Polizist digital nachsehen, was bei der letzten Hauptuntersuchung herausgekommen ist. Solche Softwarelandschaften stellen wir bereit. Elektronik steckt seit über 35 Jahren in unseren Prüfständen, inzwischen sind wir bei Web- und Cloud-Lösungen angekommen. Ende des Jahres wollen wir auch das neue Vernetzungsprotokoll PTI-Net unterstützen.
Wo liegt dann für Sie die eigentliche Transformation?
Bei den Menschen. Früher hat der Chef gesagt, was getan wird, und dann wurde das gemacht. Heute bin ich viel mehr damit beschäftigt, Teams zu formen, die Leute einzubeziehen und Sinn zu vermitteln.
Ist Ihr autonomer Inspektionsassistent MAIA vor allem eine Antwort auf den Fachkräftemangel?
Er wird ihn etwas lindern. Aber die Fahrzeuge werden auch immer komplizierter; manches können Menschen gar nicht mehr so genau prüfen. Und wir müssen länger arbeiten, brauchen also stärkere Unterstützung. Schauen Sie auf den Bau: Vieles, was früher von Hand gemacht wurde, übernehmen heute Hilfsvorrichtungen. So wird auch MAIA den Menschen unterstützen. Deshalb heißt es ja auch MAHA Autonomer Inspektionsassistent.
MAST 2.0 soll die Funktion von Fahrerassistenzsystemen prüfen. Wann wird das Standard?
Heute können wir diese Systeme in der Werkstatt kalibrieren, aber ihre tatsächliche Funktion nicht einfach prüfen. Mit MAST können wir sehen, ob sie funktionieren. In Korea wird das kommen: Bis 2029 entwickeln wir die ersten 60 Prüfstände dafür. In Deutschland sollen zunächst vier bis fünf installiert werden, um das Verfahren zu untersuchen. Die Einführung ist hier aufwendiger: Wir haben rund 30.000 Prüfstützpunkte, die Türkei etwa 700. Ein flächendeckender Einsatz verlangt bei uns also viel mehr Investitionen.
Sie vernetzen Geräte über SystemLink. Ist lokale Datenhaltung ein Vorteil gegenüber der Cloud?
Man muss beides anbieten. Ein großer Kunde kann seine eigene Cloud haben, andere nutzen die MAHA-Cloud. Und wenn eine Werkstatt ihre fünf Geräte lokal vernetzen will, geht das genauso. Der entscheidende Vorteil ist der geringere Serviceaufwand: Ich klappe den Laptop auf und sehe sofort, welche Bühne da ist und in welchem Zustand die Geräte sind. Dafür müssen die Daten nicht in einer Cloud liegen.
„Wir haben hier auf der Automechanika die Welt eingeladen.“
Welche Ihrer Messe-Ideen wird zuerst zum Geschäft?
Wir wollen herausfinden, was der Markt am stärksten braucht. Das neue Bremssystem zur Prüfung elektronischer Feststellbremsen und Allradfahrzeuge wird voraussichtlich Mitte nächsten Jahres kommen. Immer mehr Fahrzeuge lassen sich auf herkömmlichen Bremsprüfständen nicht mehr prüfen. Unser 360-Grad-Reifenprofil-Scanner OmniTread Scan kommt ebenfalls extrem gut an, ebenso die neue hydraulische Hebebühne mit Funkfernbedienung MA STAR H 4.5. Daraus leiten wir unsere Entwicklungsschwerpunkte ab. Wir werden in zwei Jahren sicher wieder neue Ideen mitbringen und schauen: Was braucht der Kunde? Was ist interessant? Das ist Aufgabe der Forschung.
Wie erleben Sie die Stimmung auf der Messe?
An unserem Stand extrem positiv. Im März haben wir das erfolgreichste Geschäftsjahr der Firmengeschichte abgeschlossen. Gestern hatten wir fast so viele Leads wie vor zwei Jahren während der gesamten Messe. Wir haben hier auf der Automechanika 26 die Welt eingeladen, auch Partner für Großprojekte. Für uns ist die Messe ein Netzwerk.