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Interview-Serie Teil 2

„Es wäre langweilig, wenn alles beim Alten bliebe“

21.09.2026

Jens Schüler, Vorstand von Vehicle Lifetime Solutions, spricht über die Stimmung im Ersatzteilgeschäft, Schaefflers Antwort auf den Wandel der Autoindustrie und die Rolle von freien Werkstätten.

Lesedauer: 3 Minuten

Jens Schüler
Jens Schüler, Vorstand Vehicle Lifetime Solutions. Foto: Messe Frankfurt Exhibition GmbH / Petra Welzel

Herr Schüler, Sie treffen hier Händler, Werkstätten und Zulieferer aus vielen Ländern. Wie würden Sie die Stimmung beschreiben: Aufbruch, Verunsicherung oder bereits Krisenmodus?

Von einer Krise sind wir in unserem Geschäft derzeit weit entfernt. Natürlich gibt es Unsicherheit darüber, wie Zulieferer, Handel und Werkstätten den Wandel erfolgreich gestalten werden. Gleichzeitig berichten unsere Kunden von Belastungen durch hohe Kraftstoffpreise und steigende Kosten in Europa. Mit Blick auf die Stabilität des Geschäfts im laufenden und im kommenden Jahr sehe ich die Branche insgesamt jedoch gut aufgestellt.

Die Probleme in der deutschen Autoindustrie setzen viele Zulieferer unter Druck. Müssen Sie sich von der klassischen Autoindustrie lösen, oder drohen Sie sich mit neuen Geschäftsfeldern zu verzetteln?

Wir stehen zu unserem Automotive-Geschäft und haben uns mit E-Mobilität, Powertrain und After-Sales zukunftsorientiert aufgestellt. Hinzu kommt unser starkes Industriegeschäft. Gleichzeitig wollen wir in den Bereichen Defence und humanoider Robotik Fuß fassen. Wir bündeln diese Aktivitäten separat, damit sie sich entwickeln können, ohne den Fokus der etablierten Geschäftsbereiche zu beeinträchtigen. Ob dafür hohe Investitionen erforderlich sind, hängt davon ab, über welche Expertise und Technologien man bereits verfügt und wie fehlendes Know-how ergänzt wird. Wir gehen schrittweise vor und bauen auf den Technologien und Kompetenzen auf, die bereits im Unternehmen vorhanden sind.


China ist Absatzmarkt, Produktionsstandort, Innovationszentrum und Konkurrent zugleich. Gilt weiterhin die Strategie in China für China, oder braucht Europa mehr technologische Unabhängigkeit?

Unser Grundsatz lautet: in der Region für die Region. Wir wollen in China wettbewerbsfähig sein, auch wenn uns das nicht in allen Bereichen gelingt. Was sich in einem Markt bewährt, prüfen wir grundsätzlich auch auf seine Übertragbarkeit auf andere Regionen. Gleichzeitig bleiben wir ein globales Unternehmen mit Entwicklung und Produktion in verschiedenen Teilen der Welt. Wir orientieren uns daran, was Europa für Europa, die USA für die USA und China für China benötigen. Deshalb ist unser Geschäft außerhalb von China nicht vollständig von China abhängig. Gerade im Ersatzteilgeschäft ist die Nähe zu Kunden und Märkten entscheidend, da sich Fahrzeugbestände und Anforderungen der Werkstätten regional unterschiedlich entwickeln.

„Keine Werkstatt soll je wieder einen Kunden wegschicken müssen – das wäre für mich ein Erfolg.“

Foto: Messe Frankfurt Exhibition GmbH / Petra Welzel

Mit mechanischen Produkten, so heißt es oft, lässt sich leichter Geld verdienen als mit digitalen. Stimmt das – und welche Rolle kann ein traditionsreicher Zulieferer in der digitalen Mobilität spielen?

Auch in der mechanischen Welt war es nie selbstverständlich, Geld zu verdienen. Es gibt nicht die vermeintlich einfache Mechanik hier und das schwierige Digitalgeschäft dort. Alle Bereiche müssen ihren Beitrag zu einer nachhaltigen Profitabilität leisten. Mit Vitesco haben wir uns bei Elektronik und Technologien für Elektrofahrzeuge deutlich verstärkt. Zugleich ist unser Portfolio ausbalanciert: E-Mobilität und Verbrenner, Neufahrzeugteile und Reparatur sowie Automotive und Industrie. Wir kommen aus der Technologie und wissen auch, wie man Innovationen industrialisiert.

Ihr ganzer Messestand beschäftigt sich mit der Frage, wie Werkstätten komplexere Arbeiten bewältigen und mehr reparieren können. Was bieten Sie ihnen dafür konkret?

Wir wollen den Werkstätten Komplexität abnehmen. Dafür verbinden wir unser Teileportfolio mit Informationen, Diagnosekompetenz, Spezialwerkzeugen und REPXPERT-Trainings. So verknüpfen wir Produkte, Services und technisches Know-how zu einem integrierten Leistungsangebot für die Werkstatt. Unsere Lösungen reichen von Getriebe, Motor und Fahrwerk bis zu Thermomanagement und E-Mobilität, etwa E-Achsen und Batteriemanagementsystemen. Es geht darum, neue Technologien verständlich und reparierbar zu machen. Werkstätten sollen anspruchsvolle Arbeiten wirtschaftlich durchführen und Bauteile gezielt reparieren, statt vorschnell komplette Systeme auszutauschen.


Transformation wird häufig als Belastung beschrieben. Wie erleben Sie persönlich Veränderung – und wann wäre die Transformation der Werkstatt für Sie gelungen?

Ehrlich gesagt empfinde ich Phasen ohne Veränderung oft als weniger spannend. Wandel gehört für mich dazu, weil er immer auch neue Möglichkeiten eröffnet. Gelungen wäre die Transformation für mich, wenn alle Werkstätten alle Reparaturaufträge annehmen können und keinen Kunden mehr wegschicken müssen. Der eigentliche Erfolg liegt darin, neue Technologien in neue Chancen für das Werkstattgeschäft zu verwandeln.

Michael Hopp

Text: Michael Hopp

Head of Content bei der Gateway-Redaktion und absoluter Pionier beim Erkennen von Automotive Trends

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