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Mehr Ladepunkte allein lösen das Problem nicht, wenn sie im entscheidenden Moment nicht funktionieren. Genau darüber habe ich mit Robin Karpp gesprochen, Geschäftsführer der Amperfied GmbH, der Ladetechnik-Tochter der Heidelberger Druckmaschinen AG. Für das Gespräch war ich bei Amperfied in Wiesloch zu Gast. Das Unternehmen hat in der Vergangenheit vor allem AC-Ladepunkte hergestellt und verkauft, inzwischen gehört auch Schnellladetechnik zum Portfolio.
Der Ausbau selbst kommt voran. Rund 212.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte zählt Deutschland inzwischen, die Auslastung liegt je nach Messweise eher im unteren Viertel. Hinzu kommen zahlreiche nichtöffentliche Ladepunkte, etwa im Flottenbetrieb, beim Depotladen oder im Handel. Damit rückt eine andere Frage in den Vordergrund: Sind die vorhandenen Ladepunkte auch tatsächlich nutzbar? "Wir haben uns zum Ziel gesetzt, Ladeinfrastruktur industriell aufzubauen, sprich mit einer höheren Verfügbarkeit und hoher Zuverlässigkeit", so Karpp im Gespräch.
Industriell heißt für ihn: möglichst geringe Ausfallzeiten, im besten Fall präventiv verhindert. Die Kundengruppen sind dabei breit gefächert. Laut Karpp reichen sie von Unternehmen, die ihre eigene Flotte laden, über Mitarbeitende, die mit dem E-Auto zur Arbeit kommen, und Handwerksbetriebe, die auf den Hof fahren, bis hin zu Logistikern mit Elektro-Lkw. Dazu zählen ebenso Betreiber öffentlicher Ladeinfrastruktur. Der Wunsch sei überall ähnlich: hohe Zuverlässigkeit, planbare Kosten und kein technologisches Risiko bei der Beschaffung neuer Hardware.
Genau darauf zielen die Uptime-Verträge von Amperfied. Gegen eine fixe monatliche Rate stellt das Unternehmen Ladepunkte unterschiedlicher Leistungsklassen bereit, die nicht gekauft werden müssen. "Wir verpflichten uns gegenüber dem Kunden zu einer Mindestverfügbarkeit, die wir miteinander vereinbaren", erklärt Karpp. Das technologische Risiko bleibt damit beim Hersteller und wandert nicht zum Betreiber.
Wenn der Servicetechniker schon vorher weiß, was fehlt
Bemerkenswert ist, dass sich das Angebot nicht auf eigene Hardware beschränkt. Auch bestehende Ladesäulen anderer Hersteller lassen sich einbinden, allerdings mit einer Einschränkung: "Wir können nicht ganz so weit gehen, wenn es nicht unsere eigene Hardware ist", räumt Karpp ein. Der Grund liegt in der Diagnosefähigkeit. Gerade im Schnellladebereich hat Amperfied eigene Hardware entwickelt, um tiefer in den Betriebszustand blicken zu können. Die Geräte sind laut Karpp von vornherein auf schnelle Wartung ausgelegt und mit umfangreicher Sensorik ausgestattet, die Betriebszustände übermittelt. So lassen sich Servicetechniker:innen bereits vor dem Einsatz mit passenden Ersatzteilen und Arbeitsanweisungen ausstatten.
Bleibt die Frage, warum ein Unternehmen das nicht einfach selbst organisieren sollte. Karpp widerspricht dem gar nicht grundsätzlich. Die Inhouse-Lösung sei fast immer die erste, auch bei Heidelberg habe man mit wenigen Ladepunkten begonnen. "Aber die Anzahl der Ladepunkte steigt schneller, als man glaubt", so Karpp. Mit jedem weiteren E-Auto auf dem Hof wachse der Aufwand, bis eine kritische Masse erreicht sei, ab der sich die Übergabe an einen Dienstleister lohne.
Besonders deutlich wird das bei Unternehmen mit mehreren Standorten. Dort sind über die Jahre häufig Insellösungen entstanden, jeder Standort mit eigener Hardware und eigener Historie. "Unser primäres Ziel ist immer, die Infrastruktur, die vorhanden ist, weiter nutzen zu können", erklärt Karpp. Die Anlagen werden in ein zentrales Management-Backend überführt, in dem Kundinnen und Kunden sehen, wer berechtigt ist und wer geladen hat, und über das sich auch die Abrechnung organisieren lässt. Im Schnellladebereich kommen zunehmend Wartungsansichten hinzu, die zeigen, wie nutzbar die eigene Anlage tatsächlich ist.
Die Zahl der Ladepunkte bleibt eine wichtige Kennzahl. Für alle, die Ladeinfrastruktur auf dem eigenen Gelände betreiben, ob im Autohaus, im Flottenbetrieb oder in der Werkstatt, gewinnt jedoch eine andere zunehmend an Gewicht: wie viele davon verlässlich zur Verfügung stehen, wenn sie gebraucht werden.