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Folge #28

Mit E-Auto im Urlaub: Reichweitenangst auf dem Prüfstand

23.07.2026

Sommerferien, Autobahn, Stau: In unserer neuen Podcastfolge beschäftigt sich EV-Experte Sebastian Henßler mit der Frage, die sich viele jeden Sommer stellen: Wie kommt man am entspanntesten in den Urlaub? Bei Elektroautos lohnt es sich genau hinzusehen. Denn zwischen Wahrnehmung und Realität liegt mittlerweile eine bemerkenswerte Lücke! Ein Beratungsthema für den Handel, das noch viel zu selten aktiv angesprochen wird.

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Herausgeber von Elektroauto-news.net

Bringt in fünf Minuten auf den Punkt, was man diese Woche rund um E-Autos & Co. wissen muss.

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Eine aktuelle Umfrage der Frankfurt University of Applied Sciences mit dem ADAC Hessen-Thüringen liefert belastbare Zahlen zu diesem Thema. Rund 1900 Personen wurden befragt. 71 Prozent der Verbrenner-Fahrer*innen nennen eine zu geringe Reichweite als zentrales Hindernis für die Urlaubsfahrt mit dem Elektroauto. Bei den tatsächlichen E-Auto-Fahrer*innen teilen diese Sorge nur 5 Prozent. Reichweitenangst ist damit vor allem ein Phänomen der Distanz, nicht der Erfahrung. Für 63 Prozent der E-Auto-Fahrer*innen hatte die Reichweite bei der Routenplanung überhaupt keinen Einfluss. Wer elektrisch fährt, kritisiert andere Dinge: unübersichtliche Ladetarife, 42 Prozent, defekte Ladesäulen, 31 Prozent, besetzte Ladepunkte, 28 Prozent. Nicht die Technik ist das Problem, sondern die Nutzererfahrung drumherum.

Auch beim Preis kippt das gewohnte Bild. Während Kraftstoffe zur Ferienzeit an Autobahntankstellen traditionell teurer werden, senken Ladeanbieter zunehmend die Preise. EnBW etwa gewährt im Sommer 2026 für mehrere Monate 5 Cent Rabatt je Kilowattstunde an eigenen Schnellladepunkten. Wer beides gegenüberstellt, sieht eine Verschiebung: Der Verbrenner-Fahrer zahlt im Ferienverkehr eher drauf, der E-Auto-Fahrer wird zunehmend umworben.

Wie stark sich Effizienz auf die Praxis auswirkt, zeigt eine Untersuchung von Green NCAP. Simuliert wurde eine 800-Kilometer-Fahrt mit vierköpfiger Familie, Gepäck und laufender Klimaanlage. Das Ergebnis überrascht: Eine große Batterie allein macht noch keine entspannte Fernreise. Große Elektro-SUVs wie der Kia EV9, der BYD Sealion 7 oder der Cadillac Optiq schneiden bei der Effizienz vergleichsweise schlecht ab, wegen Gewicht, Größe und Luftwiderstand. Am anderen Ende steht der Mercedes-Benz CLA EQ 250+. Mit 16,5 Kilowattstunden je 100 Kilometer und rund 605 Kilometern Reichweite bräuchte er auf der Teststrecke nur etwa 14 Minuten Nachladezeit. Kompaktere Modelle wie der Renault 5 E-Tech oder der Mini Cooper E liegen bei Ladezeiten zwischen 80 und gut 100 Minuten für die Gesamtstrecke, der Volvo EX30 mit erweiterter Reichweite bewegt sich mit rund 59 Minuten dazwischen. Die Kernaussage von Green NCAP: Nicht die größte Batterie zählt, sondern das Zusammenspiel aus Effizienz, nutzbarer Reichweite und Ladezeit.

Genau hier liegt die eigentliche Einordnung. Die öffentliche Debatte dreht sich fast ausschließlich um Reichweite. Die Praxis zeigt aber: Familien machen auf der Urlaubsfahrt ohnehin regelmäßig Pausen, der ADAC empfiehlt spätestens alle eineinhalb Stunden eine Pause einzulegen. Die Ladepause muss also selten zusätzlich eingeplant werden, sie fällt in der Realität mit der Pause zusammen, die sowieso ansteht. Wer mit dem Anhänger unterwegs ist, muss allerdings genauer rechnen: Ein großer Wohnwagen kann die Reichweite unter ungünstigen Bedingungen spürbar reduzieren, teils um bis zur Hälfte, wie der ACV Automobil-Club Verkehr vorrechnet. Das ist kein Ausschlusskriterium, verlangt aber sorgfältigere Routenplanung.

Für den Handel und die Beratung ergibt sich daraus ein klarer Ansatzpunkt. Kundinnen und Kunden, die im Sommer erstmals über ein Elektroauto nachdenken, bringen häufig genau jene Reichweitensorge mit, die laut Umfrage vor allem unter Verbrenner-Fahrer*innen verbreitet ist, nicht unter tatsächlichen Nutzer*innen. Eine Beratung, die diese Wahrnehmungslücke aktiv anspricht, kann hier mehr bewirken als jedes Datenblatt. Ebenso lohnt der Hinweis, dass die Fahrzeugwahl nicht an der größten Batterie hängen sollte, sondern an Effizienz und realistischem Reiseprofil. Wer viel mit der Familie unterwegs ist, profitiert oft mehr von einem effizienten Kompaktmodell als von einem großen SUV mit beeindruckendem WLTP-Wert auf dem Papier, der sich im Alltag als deutlich durstiger erweist.

Am Ende bleibt eine Beobachtung, die über den einzelnen Sommer hinausreicht: Je näher Menschen an der eigenen Erfahrung mit Elektromobilität sind, desto gelassener fällt ihr Urteil aus. 94 Prozent der befragten E-Auto-Fahrer*innen sehen die Technologie mehrheitlich als Zukunftstechnologie, bei den Verbrenner-Fahrer*innen sind es nur 37 Prozent. Vielleicht ist die eigentliche Frage für diesen Sommer also gar nicht, ob das Elektroauto urlaubstauglich ist. Sondern wie viele Vorurteile noch abgebaut werden, bevor sich diese Erfahrungswerte tatsächlich angleichen.

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