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Die Automechanika Frankfurt gilt als wichtigster Gradmesser für den weltweiten Automotive Aftermarket und wer weiß das besser als Sie? Und dennoch passiert so viel, was man eventuell gar nicht mitbekommt. Daher möchte ich die heutige Podcast-Folge nutzen, um einen kurzen Abriss der diesjährigen Automechanika in Frankfurt zu geben. Fünf Messetage lang war die Stadt wieder zentraler Treffpunkt für Werkstatt, Handel und Industrie – und die Bilanz fiel auf den ersten Blick eindeutig aus: über 112.000 Fachbesucher:innen aus 173 Ländern, 4400 Aussteller:innen aus 80 Ländern, ein spürbares Besucherplus gegenüber der letzten Ausgabe. Und doch lohnt sich der zweite Blick. Denn während die Messehallen Aufbruchsstimmung verströmten, zeigt die tägliche Realität in Handel und Werkstatt ein deutlich nüchterneres Bild. Mittendrin steht eine Frage, die derzeit fast jede Branchendiskussion prägt: Wem gehören eigentlich die Daten, auf denen die neue Aftersales-Welt aufgebaut werden soll?
Der Reihe nach. 66 Prozent der Fachbesucher:innen kamen aus dem Ausland, 34 Prozent aus Deutschland – wobei die deutschen Besucher:innen um 18,5 Prozent zulegten, das erste spürbare Wachstum seit Langem. 96 Prozent der Besucher:innen zeigten sich zufrieden, 90 Prozent aller Aussteller:innen wollen zur nächsten Ausgabe 2028 wiederkommen. Neue Formate wie HighTech4Mobility für softwaredefinierte Autos, der Experience Park für Offroad-Erlebnisse oder die neue Pit Lane für Motorsport unterstrichen den Anspruch, mehr zu sein als eine klassische Teilemesse. Auch eine neue Kooperation mit dem Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller erweiterte in diesem Jahr den Kreis der Akteure auf dem Gelände.
Wie tief der Umbruch dahinter tatsächlich reicht, zeigt ein zweiter Blick auf die Zahlen, die der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe parallel zur Messe veröffentlichte. Seine Halbjahresumfrage unter knapp 400 Autohäusern und Werkstätten fällt zweigeteilt aus: Das Werkstattgeschäft stabilisiert sich, der Fahrzeughandel bleibt unter deutlichem Druck. Gleichzeitig korrigiert der Verband seine BEV-Prognose für 2026 spürbar nach oben, auf rund 817.000 neue batterieelektrische Pkw, davon mehr als 370.000 private Neuzulassungen. Für 36 Prozent der konkreten Kaufplaner:innen ist ein Elektroauto laut einer begleitenden Befragung inzwischen die erste Wahl.
Ein Blick auf die amtlichen Zahlen stützt dieses Bild noch zusätzlich. Im ersten Halbjahr 2026 entfielen laut Kraftfahrt-Bundesamt bereits 26 Prozent aller Pkw-Neuzulassungen auf reine Elektroautos, weitere rund 40 Prozent auf Hybridmodelle. Benzin- und Dieselautos kamen zusammen nur noch auf 34 Prozent Marktanteil. Zwei Bilder, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen: Der Markt für Elektroautos wächst schneller, als es noch vor Kurzem erwartet wurde, der Handel meldet trotzdem anhaltenden Druck.
Die Erklärung liegt nicht im Auto selbst, sondern im Geschäftsmodell drumherum. Genau hier setzte eines der zentralen Panels der Messe an, veranstaltet im neuen Format HighTech4Mobility. Vertreter:innen von Volkswagen, ZF Aftermarket, Mahle und dem ZDK diskutierten dort gemeinsam mit IBM, wie Künstliche Intelligenz und vernetzte Autodaten neue Erlösmodelle im Aftersales ermöglichen sollen. Erstens geführte Diagnose für Werkstätten, zweitens vorausschauende Wartung auf Basis von Sensordaten, drittens eine effizientere Teileverfügbarkeit und Flottensteuerung. IBM stellte dazu die Studie „AI in Motion: Reinventing Automotive Aftermarket Sales" vor, ergänzt um Einschätzungen von Google Cloud und der Boston Consulting Group zum Potenzial von KI im Aftermarket. Der globale Aftermarket wächst nach Schätzungen von Frost & Sullivan, offiziellem Knowledge-Partner der Messe, 2026 um rund 5,8 Prozent – Wachstum, das sich zunehmend über Daten erschließt und nicht mehr allein über Teile und Werkstattstunden. Die Botschaft der Messe war eindeutig: Die Technik, um daraus neue Geschäftsmodelle zu bauen, ist längst vorhanden.
Was fehlt, ist der Zugang. Das machte ein zweites Panel deutlich, ein Jahr nach Inkrafttreten des EU Data Act. Vertreter:innen der Europäischen Kommission, von CLEPA, Moving Intelligence, der Allianz und der FIA diskutierten, wer künftig auf fahrzeuggenerierte Daten zugreifen darf – und welche Folgen das für Versicherer, Flottenmanager:innen, Diagnosedienstleister und Pannenhilfen hat. Gerade für freie Werkstätten und unabhängige Diagnoseanbieter entscheidet dieser Zugang darüber, ob sie mit markengebundenen Betrieben mithalten können. Mahle-Chef Arnd Franz brachte es beim VDIK-Forum der Messe auf den Punkt und forderte gemeinsame Datenstandards, etwa bei der Bestimmung des Batteriezustands. Der Hintergrund ist naheliegend: Je mehr Elektroautos auf die Straße kommen, desto wichtiger wird eine verlässliche Einschätzung des Batteriezustands – für Gebrauchtwagenkäufer:innen, für Werkstätten bei der Fehlerdiagnose, für Versicherer bei der Risikobewertung. Ohne einheitliche Standards bleibt diese Einschätzung bislang stark davon abhängig, welche Daten der jeweilige Hersteller überhaupt freigibt. Die Technik ist bereit. Der Zugriff auf die Daten, die sie braucht, ist es noch nicht.
Für Handel und Werkstatt hat das ganz praktische Konsequenzen. Erstens: Wer jetzt in KI-gestützte Diagnose oder vorausschauende Wartung investiert, sollte vorher klären, auf welche Datenquellen er sich dabei überhaupt stützen kann – markengebundene Werkstätten haben hier andere Voraussetzungen als freie Betriebe. Zweitens: Es lohnt sich, bestehende Datenverträge mit den Herstellern jetzt zu überprüfen, statt erst zu handeln, wenn der EU Data Act in der Praxis konkreter ausgestaltet ist. Freie Werkstätten sollten diese Entwicklung besonders genau verfolgen – hier entscheidet sich, wie chancengleich der Wettbewerb um datenbasierte Services tatsächlich wird. Drittens: Wer sein Geschäft auf die wachsende Elektronachfrage ausrichtet, sollte weniger auf die Stimmung im Handel schauen als auf die tatsächlichen Zulassungszahlen – die zeichnen ein deutlich dynamischeres Bild, als es der wirtschaftliche Alltag vieler Betriebe derzeit vermuten lässt. Und viertens: Die beste Diagnosetechnik nützt wenig, wenn das eigene Team nicht frühzeitig damit vertraut gemacht wird – auch das gehört zur Investitionsentscheidung dazu.
Auf der Innovation4Mobility-Bühne der Messe präsentierten FIA und EY-Parthenon zudem die gemeinsam entwickelte Global Consumer Mobility Trends Study. Befragt wurden Verkehrsteilnehmer:innen in zehn zentralen Märkten, verglichen wurden etablierte und aufstrebende Märkte sowie unterschiedliche politische Rahmenbedingungen und Elektrifizierungsgrade. Die Kernaussage: Das Auto bleibt zentral für die Mobilität von morgen. Die Zukunft bedeutet nicht weniger Auto, sondern mehr Auswahl – vorausgesetzt, Bezahlbarkeit, Infrastruktur und Sicherheit wachsen mit. Das deckt sich mit dem, was der ZDK für den deutschen Markt beobachtet: Anschaffungs- und laufende Kosten bleiben für Kaufinteressierte das entscheidende Kriterium, unabhängig davon, wie ausgereift die Technik längst ist.
Am Ende dieser Automechanika steht nicht mehr die Frage, ob sich der Aftermarket verändert – das tut er längst, spürbar auf jeder Ebene, vom Werkstatt-Terminal bis zum Vorstandstisch. Offen bleibt, wer am Ende bestimmt, wer auf die entscheidenden Daten zugreifen darf – und wer dabei zurückbleibt. Eine Frage, die die Branche bis zur nächsten Automechanika im Jahr 2028 beschäftigen dürfte.