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Drei Wochen. So lange läuft die neue staatliche Kaufprämie für Elektroautos nun bereits. Seit dem 19. Mai können Käufer und Käuferinnen ihren Antrag über das Portal der Förderzentrale Deutschland beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle stellen – kurz: BAFA. Wer das Programm kennt, erinnert sich: In Folge 20 (Neue E-Auto-Prämie: Sozial gedacht, politisch umstritten) haben wir die Grundstruktur dieser Förderung genau unter die Lupe genommen. Heute schauen wir auf die ersten belastbaren Zahlen. Und die geben durchaus zu denken.
41.772 Anträge sind in den ersten zwei Wochen eingegangen. Das meldet das Bundesumweltministerium, berichtet von der WirtschaftsWoche. Für sich genommen klingt das nach einem ordentlichen Start. Schaut man aber auf die Antragsdynamik, zeigt sich ein differenzierteres Bild: Allein in den ersten 24 Stunden wurden rund 17.000 Anträge gestellt. Nach einer Woche waren es rund 33.000. Die Kurve flacht also deutlich ab. Das war zu erwarten – die Prämie gilt rückwirkend für alle Neuzulassungen ab dem 1. Januar 2026, weshalb ein erheblicher Rückstau an aufgeschobenen Anträgen in der Anfangsphase abgebaut wurde. Die Frage ist, wie sich die Dynamik entwickelt, wenn dieser Nachholeffekt ausläuft.
Wer stellt diese Anträge? Das Bundesumweltministerium gibt einen ersten Einblick in die Einkommensstruktur. Knapp jeder zweite Antrag stammt aus einem Haushalt mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen von maximal 45.000 Euro. Nimmt man Haushalte mit bis zu 60.000 Euro hinzu, sind es sieben von zehn Anträgen. Das entspricht dem erklärten Ziel des Programms: Die Förderung soll diejenigen erreichen, die sich ein Elektroauto bisher nur schwer leisten konnten. Zumindest bei den frühen Antragstellenden scheint das zu funktionieren.
90,5 Prozent der Anträge entfallen auf rein batterieelektrische Fahrzeuge. Der Rest verteilt sich auf Plug-in-Hybride und Range Extender. Auch das ist ein Signal: Die höhere Basisförderung für reine Elektroautos – 3000 Euro gegenüber 1500 Euro für Hybridvarianten – scheint ihre Lenkungswirkung zu entfalten. Auf Modellbasis liegen bislang keine Auswertungen vor.
Passend dazu liefert das Kraftfahrt-Bundesamt für den Mai 2026 einen bemerkenswerten Datenpunkt. Knapp 60.000 reine Elektroautos wurden im vergangenen Monat neu zugelassen – ein Plus von rund 39 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Der Marktanteil reiner Elektroautos lag damit bei 25 Prozent. Das meistzugelassene Modell war der Skoda Elroq. Ob sich dahinter bereits eine prämieninduzierte Nachfrage verbirgt oder ob andere Faktoren – Modellzyklus, Flottennachfrage, saisonale Effekte – den Ausschlag geben, lässt sich aus dieser Zahl allein nicht ableiten. Aber der Trend ist da.
Und doch: Der Handel zeigt sich bislang vielerorts enttäuscht. Ein echter Nachfrageboom sei ausgeblieben, heißt es aus der Branche. Das deckt sich mit einer Beobachtung, die das Center Automotive Research in einer aktuellen Analyse beschreibt: Mit dem Start der Kaufprämie haben die Automobilhersteller gleichzeitig ihre Rabatte zurückgenommen. Die tatsächlichen Kaufpreise für Elektroautos sind damit in Teilen wieder gestiegen. Ob das ein koordiniertes Vorgehen ist oder schlicht eine Marktreaktion auf veränderte Nachfragebedingungen, lässt sich derzeit nicht abschließend beurteilen. Der beobachtbare Effekt ist jedoch, dass ein Teil der staatlichen Förderung nicht eins zu eins beim Käufer ankommt – sondern zumindest teilweise in stabilisierte Margen fließt. Das ist kein neues Phänomen. Ähnliches ließ sich bereits bei früheren Förderprogrammen beobachten.
Hinzu kommt die bereits in Folge 20 angesprochene strukturelle Schwäche: Die Förderung gilt ausschließlich für Neuwagen. Der Gebrauchtwagenmarkt bleibt außen vor. Genau jene Haushalte, die die Prämie laut Antragsdaten bislang überwiegend stellen, kaufen aber in der Realität deutlich häufiger gebraucht. Der Widerspruch bleibt bestehen.
Das Programm steht auf einem festen Budget: 3 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds, ausgelegt für rund 800.000 geförderte Fahrzeuge bis 2029. Bei einem Tempo von rund 40.000 Anträgen in zwei Wochen klingt das zunächst komfortabel. Aber diese Rechnung unterstellt eine gleichmäßige Nachfrage über mehrere Jahre – und das ist eine Annahme, die Marktentwicklung, Angebotsveränderungen und politische Kontinuität voraussetzt.
Die ersten Wochen liefern also ein ambivalentes Bild. Die Prämie erreicht ihre Zielgruppe – zumindest bei den frühen Antragstellenden. Die Zulassungszahlen im Mai deuten auf Bewegung am Markt hin. Zugleich dämpft das Rabattverhalten der Hersteller die tatsächliche Wirkung, und der Handel spürt bisher keinen spürbaren Impuls.
Ob das Programm langfristig hält, was es verspricht, wird sich erst zeigen, wenn der anfängliche Rückstau abgebaut ist und sich eine echte Nachfragebasislinie herausbildet. Die Zahlen der kommenden Wochen dürften aufschlussreicher sein als die der ersten vierzehn Tage.