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Die Diskussion um Elektromobilität richtet sich häufig auf Neuwagen, Ladeinfrastruktur oder staatliche Fördermaßnahmen. Doch ein Bereich wird dabei oft übersehen: die Werkstätten. Denn für Autofahrer:innen ist entscheidend, wer ihre Fahrzeuge im Alltag warten und reparieren kann. Mit der wachsenden Zahl an Elektroautos stellt sich die Frage, wie freie Betriebe am besten mit diesem Wandel umgehen.
Im Gespräch mit Michael Dittmar wird klar: Wegschauen ist keine Option. „Freie Werkstätten müssen sich heute schon mit Elektromobilität beschäftigen“, sagt er im aktuellen Gateway-to-Automotive-Podcast. Zwar sei es nicht notwendig, sich ausschließlich auf Elektroautos festzulegen, doch die Betriebe müssten den Blick schärfen. Technologische Veränderungen habe es immer gegeben – von Abgasnormen über Einspritzsysteme bis zu Hybridantrieben. Elektromobilität reiht sich in diese Tradition ein. Für Dittmar ist sie kein Sonderfall, sondern die nächste logische Etappe in einer langen Reihe von Umbrüchen, die das Handwerk schon gemeistert hat.
Ein zentrales Spannungsfeld entsteht beim Zugang zu Daten, Software und Ersatzteilen. Hersteller versuchen zunehmend, diese Hebel in eigener Hand zu behalten und so das Servicegeschäft in ihren Strukturen zu sichern. „Die Hersteller hätten das Geschäft am liebsten komplett im eigenen Haus“, beschreibt Dittmar die Lage. Für freie Werkstätten wäre das fatal. Doch europäische Vorgaben verpflichten die Hersteller, ihre Systeme für unabhängige Betriebe zu öffnen. „Ohne diese Regelungen wären wir wahrscheinlich längst außen vor.“ Dittmar sieht hier die EU in der Pflicht, diesen Kurs beizubehalten und konsequent zu überwachen – nur so bleibe echter Wettbewerb zum Vorteil der Kund:innen gewährleistet.
Mit Blick nach vorn vermeidet Dittmar jede Schwarzmalerei. Für ihn ist Elektromobilität keine Bedrohung, sondern eine Erweiterung der täglichen Arbeit. „Am Ende ist es einfach ein Auto, das kaputtgeht.“ Reparaturen an Elektroautos unterscheiden sich in den Details, nicht aber im Grundprinzip. Werkstätten, die bereit sind zu lernen und ihre Mitarbeitenden zu schulen, können diese Aufgaben genauso übernehmen wie bei Verbrennern. Schon in der Vergangenheit habe das Handwerk bewiesen, dass es mit neuen Technologien Schritt halten kann. Diese Flexibilität werde auch in Zukunft entscheidend sein.
Das Gespräch macht deutlich: Freie Werkstätten stehen vor Herausforderungen, doch sie verfügen über stabile Grundlagen. Elektromobilität verändert die Arbeitsweisen, aber nicht das Fundament des Berufs. Wer bereit ist, sich auf die neue Technik einzulassen, wird nicht verdrängt, sondern bleibt ein zentraler Ansprechpartner – mit der Nähe zum Kunden, die große Werkstattketten und Herstellerbetriebe nicht immer leisten können. So zeigt sich: Elektromobilität bedeutet für freie Werkstätten nicht den Verlust ihrer Rolle, sondern die Chance, ihre Stärken neu auszuspielen.